Medienmitteilung vom 20.10.2008
MedienmitteilungUZH-Studie gibt Aufschluss zum Anlegerverhalten bei Strukturierten Produkten in der Schweiz
Strukturierte Produkte (Zertifikate) waren in letzter Zeit vermehrt negativ in den Schlagzeilen. Viele Anleger, welche sich mit sogenannten Barrier-Reverse-Convertibles auf der sicheren Seite gefühlt hatten, wurden durch Lieferung von Bankaktien verursacht durch den grossen Kurssturz überrascht. Auch das Emittentenrisiko ist im Zuge des Zusammenbruchs von Lehman Brothers in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich hat nun erstmals das Anlegerverhalten im Bereich Strukturierte Produkte untersucht.
Das Institut für schweizerisches Bankwesen der Universität
Zürich hat in einer umfassenden Befragung, welche im Mai und Juni
2008 durchgeführt wurde, die Anlegerperspektive und das
Anlegerverhalten im Schweizer Markt für Strukturierte Produkte
untersucht. Insbesondere interessierten dabei der anlegerseitige
Wissensstand sowie die Bekanntheit und die Nutzung Strukturierter
Produkte.
Die Studie zeigt, dass das für den Kaufentscheid dominierende
Kriterium nicht Sicherheit und Emittentenrisiko, sondern die
erwartete Rendite des Strukturierten Produktes ist. Die Befragung
gibt ferner Auskunft darüber, wie der Kontext genereller
Wirtschaftsfragen das Informationsverhalten bezüglich
Strukturierter Produkte prägt und wie Anlegerinnen und Anleger ihre
Transaktionen mit diesen Produkten abwickeln. Die wichtigsten
Ergebnisse:
7% der Bevölkerung besitzen und 60% kennen Strukturierte
Produkte
Bei 7% aller Befragten befindet sich mindestens ein
Strukturiertes Produkt im Depot. Überraschend hoch ist mit 60% der
Anteil derjenigen, welche Strukturierte Produkte oder eine ihrer
Kategorien kennen.
Mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen besitzen
Strukturierte Produkte
10% der Männer, aber nur 4% der Frauen besitzen Strukturierte
Produkte. Weitere 6% der Männer besitzen zwar aktuell keine
Strukturierten Produkte, waren aber bereits mindestens einmal in
deren Besitz. Dieser Anteil beträgt bei Frauen nur 3%.
Besitzverhältnisse zwischen den Sprachregionen sind
unterschiedlich
In der deutschsprachigen Schweiz besitzen 8% Strukturierte
Produkte und 65% kennen diese. In der französischsprachigen Schweiz
gibt es nur 6% Besitzer, und der Anteil von «Kennern» dieser
Produkte ist mit 54% deutlich kleiner. Die Werte aus der
italienischsprachigen Schweiz liegen dazwischen.
Bankberater sind beim Kaufentscheid für Strukturierte Produkte
wichtig
Beinahe 50% der Besitzer von Strukturierten Produkten sind
von einem Bankberater auf diese Anlageform aufmerksam gemacht
worden. Vor dem Kauf haben sogar 70% der Besitzer ein
Beratungsgespräch bei einem Bankenvertreter in Anspruch genommen.
Die Zufriedenheit mit der Beratung liegt auf einer Skala mit einem
Maximalwert von 10 bei einem Durchschnittswert von 7.4.
Rendite ist das Hauptkriterium beim Kauf von Strukturierten
Produkten
Dominierend beim Kaufentscheid ist die Rendite, die ein
Strukturiertes Produkt abwerfen soll. Knapp dahinter folgen die
Kriterien Sicherheit und der Emittent des Strukturierten Produktes.
Die Hälfte der Befragten hat weder positive noch negative
Erfahrungen mit Strukturierten Produkten gemacht
Während 33% der Besitzer ihre Erfahrungen als positiv
bezeichnen, liegt dieser Wert bei den Ex-Besitzern bei 26%.
Negative Erfahrungen haben demgegenüber 21% der Besitzer und 28%
der Ex-Besitzer gemacht.
Interesse an Partizipationsprodukten
Durchschnittlich können es sich 31% der Noch-nie-Besitzer und
Ex-Besitzer vorstellen, in ein Partizipationsprodukt zu
investieren. 27% würden ein Kapitalschutzprodukt erwerben, und
lediglich 14% der Anleger sprechen sich für ein
Renditeoptimierungsprodukt aus.
Die Studie
Die Studie ist mit finanzieller Unterstützung der Bank
Vontobel AG und der europäischen Börse für Strukturierte Produkte
entstanden. Ihr liegt eine repräsentative Umfrage, welche mittels
Telefoninterviews durch das Meinungsforschungsinstitut LINK
Institut im Mai und Juni 2008 bei 2'304 Personen im Alter von 18
bis 74 Jahre durchgeführt wurde, zugrunde.
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Bezug der Studie (Link zu Download und Bestellformular)
Die vollständige Studie wird am Donnerstag, 23. Oktober 2008,
um 10:00 Uhr publiziert. Der Link zum Download der Studie sowie zum
Bestellformular für gedruckte Exemplare:
www.isb.uzh.ch/sp
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Präsentation der Studie
Prof. Dr. Rudolf Volkart wird die Studie präsentieren:
Am Donnerstag, 23. Oktober 2008, 08:0010:00 Uhr
im Kongresshaus Zürich, Gotthardstrasse 5, 8002 Zürich
bitte Eingang auf Seeseite beim Restaurant Metropol am
General-Guisan Quai benutzen; Anmeldung nicht erforderlich.
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Begriffe
(Im Text enthaltene Begriffe sind fett markiert.)
Strukturiertes Produkt:Kombination einer herkömmlichen
Anlage zum Beispiel einer Aktie oder einer Obligation und eines
derivativen Finanzinstruments; ein derivatives Finanzinstrument
wiederum ist vereinfacht gesagt ein Termingeschäft, dessen
Preis sich von einem Basiswert (Underlying) ableitet (lat.
derivare: ableiten). Basiswerte sind Rohstoffe wie Gold, Öl oder
Weizen, aber auch Aktien, Zinsen, Devisen oder Indizes. Die
Vielfalt Strukturierter Produkte am Markt ist gross, und
entsprechend unübersichtlich ist das Angebot. Bei Strukturierten
Produkten leitet sich der Rückzahlwert von der Entwicklung eines
oder mehrerer Basiswerte ab.
Anders als Direktanlagen sind Strukturierte Produkte keine
Anteilscheine, sondern eine Forderung gegenüber einer Bank, anders
ausgedrückt: Strukturierte Produkte führen nicht zu einer
gemeinschaftlichen Kapitalanlage der Investoren; die Anleger sind
nicht an einem Kollektivvermögen beteiligt, sondern sie erwerben
lediglich gegenüber dem -> Emittenten des Strukturierten
Produkts eine Forderung. Strukturierte Produkte benötigen keine
Bewilligung durch die Aufsichtsbehörde.
Unterschieden werden drei Haupt-Kategorien von Strukturierten
Produkten:
Partizipationsprodukte(auch
Zertifikategenannt),
Kapitalschutzprodukteund
Renditeoptimierungsprodukte. Ein Produkt-Typ der letzteren
sind die
Barrier-Reverse-Convertibles.
Emittent:Herausgeber von Wertpapieren; bei Aktien handelt es
sich um Unternehmen, bei Anleihen kann es sich um Unternehmen,
öffentliche Körperschaften, den Staat und andere Institutionen
handeln; bei Strukturierten Produkten insofern besonderes zentral,
als die zukünftige finanzielle Verfassung der emittierenden Bank
ein Risikofaktor darstellt
Emittentenrisiko:Abhängigkeit der Werthaltigkeit des
Anlageinstrumentes von der Bonität des Emittenten
