UZH News
Mediadesk
Agenda

Kontakt

Universität Zürich
Institut für schweizerisches Bankwesen
Benjamin Wildung, lic. oec. publ.
Projektleiter Studie
Telefon: +41 44 634 40 56
Website
Mail

Prof. Dr. Rudolf Volkart
Professor em. in Finance
Telefon: +41 44 634 29 53
Website
Mail

Medienmitteilung vom 20.10.2008

Medienmitteilung

UZH-Studie gibt Aufschluss zum Anlegerverhalten bei Strukturierten Produkten in der Schweiz

Strukturierte Produkte (Zertifikate) waren in letzter Zeit vermehrt negativ in den Schlagzeilen. Viele Anleger, welche sich mit sogenannten Barrier-Reverse-Convertibles auf der sicheren Seite gefühlt hatten, wurden durch Lieferung von Bankaktien – verursacht durch den grossen Kurssturz – überrascht. Auch das Emittentenrisiko ist im Zuge des Zusammenbruchs von Lehman Brothers in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich hat nun erstmals das Anlegerverhalten im Bereich Strukturierte Produkte untersucht.

Das Institut für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich hat in einer umfassenden Befragung, welche im Mai und Juni 2008 durchgeführt wurde, die Anlegerperspektive und das Anlegerverhalten im Schweizer Markt für Strukturierte Produkte untersucht. Insbesondere interessierten dabei der anlegerseitige Wissensstand sowie die Bekanntheit und die Nutzung Strukturierter Produkte.

Die Studie zeigt, dass das für den Kaufentscheid dominierende Kriterium nicht Sicherheit und Emittentenrisiko, sondern die erwartete Rendite des Strukturierten Produktes ist. Die Befragung gibt ferner Auskunft darüber, wie der Kontext genereller Wirtschaftsfragen das Informationsverhalten bezüglich Strukturierter Produkte prägt und wie Anlegerinnen und Anleger ihre Transaktionen mit diesen Produkten abwickeln. – Die wichtigsten Ergebnisse:

7% der Bevölkerung besitzen und 60% kennen Strukturierte Produkte
Bei 7% aller Befragten befindet sich mindestens ein Strukturiertes Produkt im Depot. Überraschend hoch ist mit 60% der Anteil derjenigen, welche Strukturierte Produkte oder eine ihrer Kategorien kennen.

Mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen besitzen Strukturierte Produkte
10% der Männer, aber nur 4% der Frauen besitzen Strukturierte Produkte. Weitere 6% der Männer besitzen zwar aktuell keine Strukturierten Produkte, waren aber bereits mindestens einmal in deren Besitz. Dieser Anteil beträgt bei Frauen nur 3%.

Besitzverhältnisse zwischen den Sprachregionen sind unterschiedlich
In der deutschsprachigen Schweiz besitzen 8% Strukturierte Produkte und 65% kennen diese. In der französischsprachigen Schweiz gibt es nur 6% Besitzer, und der Anteil von «Kennern» dieser Produkte ist mit 54% deutlich kleiner. Die Werte aus der italienischsprachigen Schweiz liegen dazwischen.

Bankberater sind beim Kaufentscheid für Strukturierte Produkte wichtig
Beinahe 50% der Besitzer von Strukturierten Produkten sind von einem Bankberater auf diese Anlageform aufmerksam gemacht worden. Vor dem Kauf haben sogar 70% der Besitzer ein Beratungsgespräch bei einem Bankenvertreter in Anspruch genommen. Die Zufriedenheit mit der Beratung liegt auf einer Skala mit einem Maximalwert von 10 bei einem Durchschnittswert von 7.4.

Rendite ist das Hauptkriterium beim Kauf von Strukturierten Produkten
Dominierend beim Kaufentscheid ist die Rendite, die ein Strukturiertes Produkt abwerfen soll. Knapp dahinter folgen die Kriterien Sicherheit und der Emittent des Strukturierten Produktes.

Die Hälfte der Befragten hat weder positive noch negative Erfahrungen mit Strukturierten Produkten gemacht
Während 33% der Besitzer ihre Erfahrungen als positiv bezeichnen, liegt dieser Wert bei den Ex-Besitzern bei 26%. Negative Erfahrungen haben demgegenüber 21% der Besitzer und 28% der Ex-Besitzer gemacht.

Interesse an Partizipationsprodukten
Durchschnittlich können es sich 31% der Noch-nie-Besitzer und Ex-Besitzer vorstellen, in ein Partizipationsprodukt zu investieren. 27% würden ein Kapitalschutzprodukt erwerben, und lediglich 14% der Anleger sprechen sich für ein Renditeoptimierungsprodukt aus.

Die Studie
Die Studie ist mit finanzieller Unterstützung der Bank Vontobel AG und der europäischen Börse für Strukturierte Produkte entstanden. Ihr liegt eine repräsentative Umfrage, welche mittels Telefoninterviews durch das Meinungsforschungsinstitut LINK Institut im Mai und Juni 2008 bei 2'304 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahre durchgeführt wurde, zugrunde.

*********

Bezug der Studie (Link zu Download und Bestellformular)
Die vollständige Studie wird am Donnerstag, 23. Oktober 2008, um 10:00 Uhr publiziert. Der Link zum Download der Studie sowie zum Bestellformular für gedruckte Exemplare:
www.isb.uzh.ch/sp

*********

Präsentation der Studie
Prof. Dr. Rudolf Volkart wird die Studie präsentieren:
Am Donnerstag, 23. Oktober 2008, 08:00–10:00 Uhr
im Kongresshaus Zürich, Gotthardstrasse 5, 8002 Zürich – bitte Eingang auf Seeseite beim Restaurant Metropol am General-Guisan Quai benutzen; Anmeldung nicht erforderlich.

*********

Begriffe
(Im Text enthaltene Begriffe sind fett markiert.)

Strukturiertes Produkt:Kombination einer herkömmlichen Anlage – zum Beispiel einer Aktie oder einer Obligation – und eines derivativen Finanzinstruments; ein derivatives Finanzinstrument wiederum ist – vereinfacht gesagt – ein Termingeschäft, dessen Preis sich von einem Basiswert (Underlying) ableitet (lat. derivare: ableiten). Basiswerte sind Rohstoffe wie Gold, Öl oder Weizen, aber auch Aktien, Zinsen, Devisen oder Indizes. Die Vielfalt Strukturierter Produkte am Markt ist gross, und entsprechend unübersichtlich ist das Angebot. Bei Strukturierten Produkten leitet sich der Rückzahlwert von der Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte ab.
Anders als Direktanlagen sind Strukturierte Produkte keine Anteilscheine, sondern eine Forderung gegenüber einer Bank, anders ausgedrückt: Strukturierte Produkte führen nicht zu einer gemeinschaftlichen Kapitalanlage der Investoren; die Anleger sind nicht an einem Kollektivvermögen beteiligt, sondern sie erwerben lediglich gegenüber dem -> Emittenten des Strukturierten Produkts eine Forderung. Strukturierte Produkte benötigen keine Bewilligung durch die Aufsichtsbehörde.
Unterschieden werden drei Haupt-Kategorien von Strukturierten Produkten: Partizipationsprodukte(auch Zertifikategenannt), Kapitalschutzprodukteund Renditeoptimierungsprodukte. Ein Produkt-Typ der letzteren sind die Barrier-Reverse-Convertibles.

Emittent:Herausgeber von Wertpapieren; bei Aktien handelt es sich um Unternehmen, bei Anleihen kann es sich um Unternehmen, öffentliche Körperschaften, den Staat und andere Institutionen handeln; bei Strukturierten Produkten insofern besonderes zentral, als die zukünftige finanzielle Verfassung der emittierenden Bank ein Risikofaktor darstellt

Emittentenrisiko:Abhängigkeit der Werthaltigkeit des Anlageinstrumentes von der Bonität des Emittenten