Medienmitteilung vom 04.12.2008
MedienmitteilungVerändertes Prion-Protein führt zu einer ansteckenden Prionenerkrankung
Eine Gruppe von Forschern an der Universität Zürich um Professor Dr. Adriano Aguzzi (Institut für Neuropathologie) hat herausgefunden, dass subtile Veränderungen der Struktur des Prion-Proteins zu einer schwerwiegenden neurologischen Funktionsstörung führen. Ausserdem zeigten sie auf, dass das mutierte Protein eine Infektionskrankheit verursacht. Ihre Forschungsergebnisse werden in der Woche vom 1. Dezember 2008 online auf «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) publiziert.
Ziel der Studie war die Aufklärung der Entstehung des «Chronic
Wasting Disease» (CWD) der Hirsche und Elche, einer hochinfektiösen
Prionenerkrankung ähnlich der Bovinen Spongiformen Encephalopathie
des Rindes (BSE, oder Rinderwahn) und der Creutzfeldt-Jakob
Krankheit des Menschen. In den USA sind bis zu 20 Prozent aller
Hirsche davon befallen. Es wird angenommen, dass
Prionenerkrankungen aus einer falschen Faltung des Prionproteins
resultieren. Die Falschfaltung erzeugt eine Bildung von Plaques im
Gehirn, welche dann weitere Proteine «infizieren» dürften.
Die Forscher führten zwei Punktmutationen ins Prion-Gen der
Maus ein, sodass das mutierte Protein dem Prion-Gen der Elche
ähnelte. Diese Veränderungen resultierten in einer Versteifung der
Proteinstruktur. Überraschenderweise entwickelten Mäuse, die das
versteifte Prion-Protein produzierten, Plaques im Gehirn und
neurologische Krankheitssymptome wie bei Prionenkrankheiten.
«Wir waren wirklich erstaunt, als wir fanden, dass die
Inokulation mit Gehirnextrakten unserer transgenen Mäuse zur
Erkrankung von normalen Mäusen führte. Das heisst, dass das
mutierte Protein ausreicht, um eine Infektionskrankheit
auszulösen», sagte Aguzzi.
Diese Forschungsergebnisse zeigen, dass lediglich zwei
Punktmutationen im Prion-Gen ausreichen, um eine ansteckende
Prionenerkrankung in Gang zu setzen. Prof. Aguzzi sagte dazu:
«Diese Resultate bestätigen die Hypothese, dass Prionen
ausschliesslich aus Eiweissen bestehen und legen nahe, dass die
Prionenkrankheiten der Elche und Hirsche eine genetische Komponente
aufweisen.»
