Medienmitteilung vom 12.11.2008
MedienmitteilungZürcher Forscher entdecken Schlüssel-Neuronen fürs Singen lernen
Zwei Zürcher Forscher entdecken bei Singvögeln zwei Typen von Neuronen, die für das Erlernen des Gesangs eine Schlüsselrolle spielen könnten. Wie sie in «Nature» berichten, konnten sie erstmals die lange gesuchten Nervenzellen nachweisen, die auf das auditorische Feedback bei Singvögeln reagieren.
Singvögel besitzen analog zum Spracherwerb beim Menschen
eine sensible Phase für das Erlernen ihres Gesangs. Junge
Zebrafinken lernen ihren Gesang, indem sie die Gesangsvorlage ihres
Tutors, meist ihres Vaters, imitieren. In dieser Lernphase ist es
zwingend, dass der Jungvogel seinen eigenen Gesang hören,
überwachen und laufend mit der Gesangsvorlage vergleichen kann.
Seinen Gesang passt er über das so genannt auditorische Feedback an
die akustische Vorlage an. Gleichzeitig muss der Jungvogel während
des Singens in der Lage sein, Hintergrundsgeräusche zu erkennen.
Prof. Richard Hahnloser und Georg Keller vom Institut für
Neuroinformatik haben jetzt als erste die lange gesuchten
Nervenzellen für dieses auditorische Feedback bei Singvögeln
nachweisen können. Die Nervenzellen befinden sich im auditorischen
Kortex, der Hörrinde, und nicht wie bisher angenommen in den
gesangsspezifischen Hirnarealen, die den Gesang steuern.
Hahnloser und Keller machten während ihrer Forschungsarbeit
noch eine zweite, bahnbrechende Entdeckung: Sie fanden im
auditorischen Kortex eines Jungvogels, der dabei ist seinen Gesang
zu lernen, Nervenzellen, die dem Gesang effektiv «zuhören», d.h.
den Gesang aktiv verfolgen. Daneben entdeckten die Forscher zwei
weitere Typen von Nervenzellen. «Der eine Typ Neuronen tut
lediglich so, als ob er zuhören würde», erklärt Richard Hahnloser
das Phänomen. «Der andere Typ dagegen scheint nur auf externe
Störungen zu warten.» Entdeckt haben dies die beiden Forscher, in
dem sie dem Jungvogel ein spezifisches Störgeräusch vorspielten.
«Das Störgeräusch führt dazu, dass das, was der Vogel tatsächlich
hört, von dem abweicht, was er zu hören erwartet», erläutert
Hahnloser die Versuchsanordnung. Die beiden Neuronentypen reagieren
unterschiedlich auf das Störgeräusch: Der Neuronentyp, der nur
«zuzuhören» scheint, zeigt während des Singens stereotype
Aktivitätsmuster und lässt sich von Störgeräuschen nicht
beeinflussen. Der zweite Neuronentyp dagegen zeigt wenig Aktivität
und reagiert fast ausschliesslich auf die vorgespielten
Störgeräusche.
Die Signale der beiden neu entdeckten Neuronentypen könnten
zentral für das Erlernen der Vokalisierung sein. Dazu Hahnloser:
«Den Unterschied zwischen erwartetem und tatsächlich Gehörtem zu
erkennen, bildet die grundlegende Voraussetzung, um singen oder
sprechen zu lernen.»
Publikation:
Georg B. Keller & Richard H.R. Hahnloser, Neural
processing of auditory feedback during vocal practice in a
songbird, Nature, doi: 10.1038/nature07467
Hirnforschung an Zebrafinken gehört zur Grundlagenforschung:
Zebrafinken sind das einfachste Tiermodell, wenn es um das
Verständnis über vokales Lernen geht. Neben Menschen, Walen, und
Fledermäusen gehören Vögel zu den wenigen Lebewesen, die ein
differenziertes vokales Ausdruckssystem besitzen. Bei der
Hirnforschung an Zebrafinken geht es um das physiologische
Verständnis des Spracherwerbs.
Die MNF (Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät) ist
eine der sieben Fakultäten der Universität Zürich. Mit ihren über
120 Professorinnen und Professoren an 16 Instituten lehrt und
forscht die MNF auf höchstem Niveau. In den Bereichen Life Sciences
und Umweltwissenschaften zählt die MNF der UZH gemäss
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