Medienmitteilung vom 14.02.2008
MedienmitteilungZürcher Forscher finden neues Gen für Grauen Star
Unter Grauem Star oder Katarakt leiden sowohl ältere Menschen als auch Kinder. Ein Forscherteam der Universität Zürich und der ETH Zürich hat jetzt ein neues Gen entdeckt, das eine Form der Katarakt beim Kind verursacht. Sie hoffen, dass das neu entdeckte Gen auch neue Erkenntnisse über den altersbedingten Grauen Star und eine Behandlung ohne Operation eröffnet.
Die Katarakt wird durch eine Linsentrübung verursacht, die zu
erheblichen Sehbehinderungen führen kann. Eine erfolgreiche
Behandlungsmethode stellt gegenwärtig die operative Entfernung der
getrübten Linse und deren Ersatz durch eine künstliche Linse dar.
Man unterscheidet zwischen Kindheitskatarakt (angeboren oder in
früher Kindheit auftretend) und Alterskatarakt (Grauer Star).
Während bei sehbehinderten Kindern in nur circa 14% Katarakt die
Ursache ist, tritt der Graue Star bei etwa jeder zweiten Person im
Alter über 60 Jahre auf. Der Linsentrübung liegen verschiedene
Ursachen zu Grunde. Durch die Erforschung von Veränderungen
(Mutationen) im Erbgut konnten bisher mehrere Gene identifiziert
werden, die unterschiedliche Funktionen in der Augenlinse haben.
Diese Gene kodieren für Proteine, die eine wichtige Rolle bei der
Entwicklung der Linse oder Aufrechterhaltung einer normalen
Funktion spielen. Während alle Mutationen in diesen bekannten Genen
Kindheitskatarakt verursachen, sind bis heute die genetischen
Faktoren für den altersbedingten Grauen Star weitgehend unbekannt.
Ein Forscherteam vom Institut für Medizinische Genetik der
Universität Zürich und Kollegen der ETH Zürich, der Universität
Köln, des Inselspitals Bern und der Augenklinik Luzern berichtet im
renommierten «American Journal of Human Genetics» über die
Entdeckung eines neuen Gens, das eine Kindheitsform der
Katarakterkrankung verursacht. «Wir untersuchten das Erbgut von
Patienten und gesunden Familienmitgliedern und konnten sowohl die
chromosomale Position als auch den spezifischen Gendefekt
identifizieren», erklären Barbara Kloeckener-Gruissem und Wolfgang
Berger von der Universität Zürich. Das entsprechende Protein gehört
zur Familie der Monocarboxylat Transporter, die Moleküle durch die
Zellmembran befördern. Bisher ist noch keine Krankheit bekannt, die
mit dem Genprodukt im Zusammenhang steht.
Neu ist auch, dass dieser Gendefekt zusätzlich zu einer
Glukosurie (erhöhter Glukosewert im Urin, aber nicht im Blut)
führen kann. Die Suche nach dem Molekül, das der Transporter durch
die Zellmembran befördert, wird im Moment intensiv verfolgt. Die
Forschenden vermuten, dass ein Defekt in diesem Gen den
metabolischen Haushalt sowohl in der Augenlinse, als auch in der
Niere stört. «Wir hoffen, dass wir mit dem neu entdeckten Gen neue
Einblicke in den altersbedingten Grauen Star erhalten», sagt
Barbara Kloeckener-Gruissem. Die Forschenden suchen jetzt bei
Patientinnen und Patienten mit einer altersbedingten Katarakt nach
Defekten in diesem Gen. «Vielleicht eröffnet dies in Zukunft
Möglichkeiten, Kindheitskatarakte und auch den Grauen Star ohne
Operation zu behandeln.»



