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Markus Späth-Walter, Projektleiter, Kantonsschule Zürcher Unterland, Bülach
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Christoph Wittmer, Projektleiter, Kantonsschule Enge Zürich
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Prof. Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich
044 634 22 11

Medienmitteilung vom 13.01.2009

Medienmitteilung

200 Empfehlungen für einen verbesserten Übergang ins Hochschulstudium

Erstmals haben mehr als 130 Dozierende und Mittelschullehrpersonen die Schnittstelle zwischen Mittelschule und Hochschule analysiert. Sie legen über 200 Empfehlungen für einen verbesserten Übergang ins Studium vor. Diese «Expertise der Praxis» haben die Zürcher Kantonsschulen, die ETH Zürich und die Universität Zürich am Dienstag, den 13.1.2009, an einer Medienkonferenz vorgestellt.

Das Projekt und die Publikation «Hochschulreife und Studierfähigkeit» ist ein innovativer und pragmatischer Ansatz zur Optimierung der Schnittstelle zwischen Mittelschulen und Universitäten. Wie Christoph Wittmer, Projektleiter und Prorektor der Kantonsschule Enge, an einer Medienkonferenz an der Universität Zürich, ausführte, ist das Projekt im deutschsprachigen Raum einmalig und werde über den Kanton Zürich hinaus Beachtung finden. «Alle am Projekt Beteiligten sind sich einig, dass von einer generellen Malaise an der Schnittstelle keine Rede sein kann», sagte Christoph Wittmer. Die Maturandinnen und Maturanden seien in der Regel gut auf das Studium vorbereitet und verfügten über solide Kenntnisse. Am allgemeinen Hochschulzugang der Maturität kann und soll deshalb festgehalten werden.

Dennoch gibt es kritische Bereiche und die Publikation listet entsprechenden Handlungsbedarf auf. Markus Späth wies als Vertreter der Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen in der Projektleitung insbesondere auf die teilweise ungenügende fachliche Vorbereitung in Mathematik und in den Naturwissenschaften hin, die vor allem auf die Verkürzung der Mittelschuldauer zurückzuführen ist: Die Vermittlung einer fundierten Allgemeinbildung im Fach für alle und einer möglichst soliden Vorbereitung für jene, welche das Fach später studieren, erweist sich in der Praxis oft als schwierig.

Die Heterogenität des Wissens und Könnens stellt zu Beginn des Studiums ein ernst zu nehmendes Problem dar. Ein Teil der Maturandinnen und Maturanden ist auch zu wenig vorbereitet auf die grossen Belastungen und hohen Anforderungen an die Selbstständigkeit, welche das Studium an einer Hochschule schon von Anfang an voraussetzt. Die Fähigkeit, anspruchsvolle, auch nichtliterarische Texte zu verarbeiten und selber sorgfältige schriftliche Berichte in der Muttersprache und in Fremdsprachen zu verfassen, sollte an den Mittelschulen künftig vermehrt gefördert werden. Zu überprüfen ist auch die Studieninformation – viele Studieneinsteigerinnen und Studieneinsteiger beginnen ihr Studium mit ungenauen und sogar falschen Vorstellungen über Inhalt, Umfang und Anforderungen des Studiums.

Im Zentrum des Projekts stehen die konkreten Empfehlungen. An die Bildungspolitik geht die klare Forderung, auf weitere Kürzungen der Mittelschuldauer zu verzichten. Zahlreiche Fachrichtungen, mit besonderem Nachdruck die Naturwissenschaften, wünschen im Gegenteil einen Ausbau des Unterrichts in ihrem Fach. Gleichzeitig wird aber auch angeregt, durch bessere Zusammenarbeit und Koordination zwischen den Fächern alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung zu nutzen und im Dialog zwischen Gymnasium und Hochschule die bestehenden Stoffkataloge nach dem Motto «weniger wäre mehr» zu überprüfen.

Vorbereitung aufs Hochschulstudium
Zahlreiche Empfehlungen beschäftigen sich mit Massnahmen zur Förderung der Selbstständigkeit; sie zielen auf die Forderung nach einer Überprüfung der gymnasialen Oberstufe ab, die sich stärker als bisher an den Arbeitsbedingungen im Grundstudium ausrichten sollte. Damit eng verknüpft sind die vielen Vorschläge, wie den überfachlichen Kompetenzen mehr Gewicht verliehen werden könnte, etwa indem in allen Fächern das kritisch-forschende Denken gegenüber der Stoffvermittlung verstärkt, der Lektüre von wissenschaftlichen Sachtexten neben der Literatur im Sprachunterricht mehr Platz eingeräumt oder der Lernprozess stärker reflektiert und aktiv gestaltet werden könnte.

Die Empfehlungen richten sich an die Gymnasien und Hochschulen. Diese sind nun gefordert, so Felix Angst, Präsident der Schulleiterkonferenz der Zürcher Mittelschulen, die Vorschläge zu konkretisieren und zu realisieren. Dass der Prozess breit abgestützt und von mehreren hundert Lehrpersonen und Dozierenden aktiv mitgestaltet wurde, bietet Gewähr, dass die Umsetzung mit der nötigen Dynamik angegangen wird. Die einzelnen Mittelschulen werden insbesondere Konzepte zu überfachlichen Kompetenzen und einer besseren Koordination der Unterrichtsinhalte erarbeiten müssen. Gleichzeitig stellt sich ihnen die Aufgabe, auf der gymnasialen Oberstufe Akzente für eine gezieltere Hochschulvorbereitung zu setzen.

Wie der Rektor der Universität Zürich, Prof. Andreas Fischer, ausführte, werden die Hochschulen die Eingangsstufe im Rahmen der Evaluation der Bologna-Umsetzung überprüfen und dabei die Erkenntnisse des Projektes berücksichtigen. Der institutionalisierte Dialog der Praktikerinnen und Praktiker soll auch in Zukunft den Übergang zum Hochschulstudium sicherstellen – viel besser als dies formalisierte Standards oder universitäre Aufnahmeprüfungen vermöchten.

Die Publikation «Hochschulreife und Studierfähigkeit. Zürcher Dialog an der Schnittstelle» wird allen Medien direkt von der Druckerei zugestellt. Weitere Exemplare können bestellt werden bei www.educeth.ch oder www.hsgym.ch.