Medienmitteilung vom 13.01.2009
Medienmitteilung200 Empfehlungen für einen verbesserten Übergang ins Hochschulstudium
Erstmals haben mehr als 130 Dozierende und Mittelschullehrpersonen die Schnittstelle zwischen Mittelschule und Hochschule analysiert. Sie legen über 200 Empfehlungen für einen verbesserten Übergang ins Studium vor. Diese «Expertise der Praxis» haben die Zürcher Kantonsschulen, die ETH Zürich und die Universität Zürich am Dienstag, den 13.1.2009, an einer Medienkonferenz vorgestellt.
Das Projekt und die Publikation «Hochschulreife und
Studierfähigkeit» ist ein innovativer und pragmatischer Ansatz zur
Optimierung der Schnittstelle zwischen Mittelschulen und
Universitäten. Wie Christoph Wittmer, Projektleiter und Prorektor
der Kantonsschule Enge, an einer Medienkonferenz an der Universität
Zürich, ausführte, ist das Projekt im deutschsprachigen Raum
einmalig und werde über den Kanton Zürich hinaus Beachtung finden.
«Alle am Projekt Beteiligten sind sich einig, dass von einer
generellen Malaise an der Schnittstelle keine Rede sein kann»,
sagte Christoph Wittmer. Die Maturandinnen und Maturanden seien in
der Regel gut auf das Studium vorbereitet und verfügten über solide
Kenntnisse. Am allgemeinen Hochschulzugang der Maturität kann und
soll deshalb festgehalten werden.
Dennoch gibt es kritische Bereiche und die Publikation listet
entsprechenden Handlungsbedarf auf. Markus Späth wies als Vertreter
der Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen in der Projektleitung
insbesondere auf die teilweise ungenügende fachliche Vorbereitung
in Mathematik und in den Naturwissenschaften hin, die vor allem auf
die Verkürzung der Mittelschuldauer zurückzuführen ist: Die
Vermittlung einer fundierten Allgemeinbildung im Fach für alle und
einer möglichst soliden Vorbereitung für jene, welche das Fach
später studieren, erweist sich in der Praxis oft als schwierig.
Die Heterogenität des Wissens und Könnens stellt zu Beginn
des Studiums ein ernst zu nehmendes Problem dar. Ein Teil der
Maturandinnen und Maturanden ist auch zu wenig vorbereitet auf die
grossen Belastungen und hohen Anforderungen an die
Selbstständigkeit, welche das Studium an einer Hochschule schon von
Anfang an voraussetzt. Die Fähigkeit, anspruchsvolle, auch
nichtliterarische Texte zu verarbeiten und selber sorgfältige
schriftliche Berichte in der Muttersprache und in Fremdsprachen zu
verfassen, sollte an den Mittelschulen künftig vermehrt gefördert
werden. Zu überprüfen ist auch die Studieninformation viele
Studieneinsteigerinnen und Studieneinsteiger beginnen ihr Studium
mit ungenauen und sogar falschen Vorstellungen über Inhalt, Umfang
und Anforderungen des Studiums.
Im Zentrum des Projekts stehen die konkreten Empfehlungen. An
die Bildungspolitik geht die klare Forderung, auf weitere Kürzungen
der Mittelschuldauer zu verzichten. Zahlreiche Fachrichtungen, mit
besonderem Nachdruck die Naturwissenschaften, wünschen im Gegenteil
einen Ausbau des Unterrichts in ihrem Fach. Gleichzeitig wird aber
auch angeregt, durch bessere Zusammenarbeit und Koordination
zwischen den Fächern alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung zu
nutzen und im Dialog zwischen Gymnasium und Hochschule die
bestehenden Stoffkataloge nach dem Motto «weniger wäre mehr» zu
überprüfen.
Vorbereitung aufs Hochschulstudium
Zahlreiche Empfehlungen beschäftigen sich mit Massnahmen zur
Förderung der Selbstständigkeit; sie zielen auf die Forderung nach
einer Überprüfung der gymnasialen Oberstufe ab, die sich stärker
als bisher an den Arbeitsbedingungen im Grundstudium ausrichten
sollte. Damit eng verknüpft sind die vielen Vorschläge, wie den
überfachlichen Kompetenzen mehr Gewicht verliehen werden könnte,
etwa indem in allen Fächern das kritisch-forschende Denken
gegenüber der Stoffvermittlung verstärkt, der Lektüre von
wissenschaftlichen Sachtexten neben der Literatur im
Sprachunterricht mehr Platz eingeräumt oder der Lernprozess stärker
reflektiert und aktiv gestaltet werden könnte.
Die Empfehlungen richten sich an die Gymnasien und
Hochschulen. Diese sind nun gefordert, so Felix Angst, Präsident
der Schulleiterkonferenz der Zürcher Mittelschulen, die Vorschläge
zu konkretisieren und zu realisieren. Dass der Prozess breit
abgestützt und von mehreren hundert Lehrpersonen und Dozierenden
aktiv mitgestaltet wurde, bietet Gewähr, dass die Umsetzung mit der
nötigen Dynamik angegangen wird. Die einzelnen Mittelschulen werden
insbesondere Konzepte zu überfachlichen Kompetenzen und einer
besseren Koordination der Unterrichtsinhalte erarbeiten müssen.
Gleichzeitig stellt sich ihnen die Aufgabe, auf der gymnasialen
Oberstufe Akzente für eine gezieltere Hochschulvorbereitung zu
setzen.
Wie der Rektor der Universität Zürich, Prof. Andreas Fischer,
ausführte, werden die Hochschulen die Eingangsstufe im Rahmen der
Evaluation der Bologna-Umsetzung überprüfen und dabei die
Erkenntnisse des Projektes berücksichtigen. Der
institutionalisierte Dialog der Praktikerinnen und Praktiker soll
auch in Zukunft den Übergang zum Hochschulstudium sicherstellen
viel besser als dies formalisierte Standards oder universitäre
Aufnahmeprüfungen vermöchten.
Die Publikation «Hochschulreife und Studierfähigkeit. Zürcher Dialog an der Schnittstelle» wird allen Medien direkt von der Druckerei zugestellt. Weitere Exemplare können bestellt werden bei www.educeth.ch oder www.hsgym.ch.
