Brupbacher Preis an Nubia Muñoz und Sir Richard Peto
Die Epidemiologen Nubia Muñoz und Sir Richard Peto erhalten den Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2009. Nubia Muñoz wird ausgezeichnet für die Erforschung der Ursachen von Tumoren wie den Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren und Richard Peto für seine Studien über die gesundheitlichen Risiken des Rauchens. Der Preis der Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung ist mit je 100'000 Franken dotiert.
Seit 1993 verleiht die Brupbacher Stiftung in zweijährigem
Abstand den Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung.
Ziel der Stiftung ist es, Forscherinnen und Forscher auszuzeichnen,
die in den Grundlagenwissenschaften oder in klinischer Onkologie
wichtige Entdeckungen gemacht und dadurch zum besseren Verständnis
der Entstehung und Behandlung von Tumorerkrankungen beigetragen
haben. In diesem Jahr wird der Preis erstmalig an zwei
Epidemiologen, die sich grosse Verdienste um die Krebsprävention
erworben haben, verliehen.
Nubia Muñoz
Im Jahre 1999 wurde der Brupbacher Preis verliehen an Harald
zur Hausen (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) für den
Nachweis von HPV-DNA in Karzinomen des Gebärmutterhalses (Cervix)
und seine Hypothese, dass Papillomviren an der Entstehung von
Cervix-Krebs beteiligt sind. Er wurde dafür im vergangenen Jahr mit
dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. In diesem Jahr erhält Dr.
Nubia Muñoz (Lyon) den Preis für grundlegende epidemiologische
Arbeiten zur Verursachung von Tumoren durch chronische Infektionen,
insbesondere durch humane Papillomviren (HPV). Ihre Untersuchungen
haben letztlich den Beweis eines Kausalzusammenhangs erbracht. Sie
leitete ein grosses internationales Netzwerk, in dem
Cervix-Karzinome aus aller Welt virologisch analysiert wurden, und
dies mündete in der Schlussfolgerung, dass die HPV-Typen 16 und 18
eindeutig als Ursache angesehen werden müssen.
Die Zahl der für den Cervix-Krebs verantwortlichen HPV-Typen
hat sich inzwischen erweitert, und mit moderner Methodik lässt sich
HPV-DNA in mehr als 98% aller Cervix-Tumoren nachweisen. Nicht
zuletzt die Arbeiten von Muñoz und ihren Mitarbeitenden haben dazu
geführt, dass eine chronische HPV-Infektion als eine notwendige,
wenn auch nicht ausreichende Voraussetzung für die Entstehung von
Cervix-Krebs gilt. Dieser Tumor kann somit als die Spätfolge einer
sexuell übertragenen Infektion angesehen werden. Die Arbeiten von
Nubia Muñoz haben auch wesentlich dazu beigetragen, dass Impfstoffe
zunächst gegen die weltweit vorherrschenden HPV-Typen 16 und 18
entwickelt wurden. Wegen der derzeit noch hohen Kosten findet
leider die prophylaktische Impfung von Mädchen vor der
Geschlechtsreife fast ausschliesslich in wohlhabenden Ländern
statt, in denen seit Einführung der Vorsorgeuntersuchung
(Papanicolaou Test) die Erkrankungshäufigkeit an
Gebärmutterhalskrebs bereits stark reduziert ist. Vordringlich ist
deshalb eine Ausdehnung der Impfung auf weniger entwickelte Länder,
in denen noch immer eine sehr hohe Mortalität zu verzeichnen ist,
insbesondere in Mittel-, und Südamerika, Südafrika und einigen
asiatischen Ländern.
Sir Richard Peto
Neben der Verursachung von Cervix-Krebs durch HPV-Infektionen
und Leberkrebs durch virale Hepatitis gibt es kaum eine
vergleichbar wichtige, vermeidbare Ursache menschlicher Tumoren wie
das Rauchen. Obwohl die Verursachung von Lungenkrebs durch
Zigarettenrauchen seit mehr als 50 Jahren bekannt ist, hat es
erstaunlich lange gedauert, bis verlässliche Daten über das Ausmass
des Risikos und der resultierenden Mortalität vorlagen. Die
Arbeiten von Sir Richard Peto und seines im Jahre 2005 verstorbenen
Kollegen Sir Richard Doll an der Oxford University haben dazu
entscheidende Beiträge geleistet. Nicht zuletzt durch ihre Studien
wissen wir heute, dass bei männlichen Rauchern das Risiko, an
Lungenkrebs zu erkranken, mehr als 20fach höher ist als bei
Nichtrauchern. In einer berühmten epidemiologischen Studie haben
Doll und Peto mehr als 34000 männliche britische Ärzte über fünf
Jahrzehnte (1951-2001) verfolgt und festgestellt, dass Raucher eine
um 10 Jahre verkürzte Lebenserwartung haben. Peto hat geschätzt,
dass das freie Verteilen von Zigaretten an britische Soldaten im
ersten Weltkrieg über die Jahrzehnte insgesamt mehr Opfer gekostet
hat als der Krieg selbst.
Peto und Mitarbeiter konnten aber auch zeigen, dass eine
Aufgabe des Rauchens zu einer wesentlichen Reduktion des Risikos
führt. Selbst langjährige Raucher, die erst mit 50 Jahren aufhören,
können ihre durchschnittliche Lebenserwartung noch um etwa 6 Jahre
verlängern und das Risiko, bis zum Alter von 75 Jahren an
Lungenkrebs zu erkranken, um mehr als 50% verringern. Sie weisen
deshalb eindrücklich darauf hin, dass die Aufklärung von
Jugendlichen über die Gefahren des Rauchens zwar wichtig ist, der
rascheste und grösste Effekt jedoch erreicht würde, wenn eine
grössere Zahl Erwachsener das Rauchen aufgeben würde.
Peto hat u.a berechnet, dass im 20. Jahrhundert mehr als 100
Millionen Menschen wegen des Zigarettenrauchens vorzeitig, d.h im
mittleren Lebensalter (30-69 Jahre) gestorben sind. Er hat darauf
hingewiesen, dass die sehr hohe Raucherquote in asiatischen Ländern
zu Krankheit und Mortalität ungeahnten Ausmasses führen wird.
Demnach werden in Indien im Jahre 2010 etwa 930000 Erwachsene
wegen ihres Tabakkonsums sterben, 70% von ihnen im Alter zwischen
30 und 69 Jahren. Es sind nicht zuletzt die Arbeiten von Sir
Richard Peto, die dazu geführt haben, dass weltweit eine zunehmende
Zahl von Regierungen Massnahmen getroffen hat, ihre Bürger,
insbesondere auch die Passivraucher, vor den gesundheitlichen
Konsequenzen des Rauchens zu schützen, nicht nur durch Aufklärung
und Erziehung, sondern auch durch gesetzliche Massnahmen wie
Rauchverbote in öffentlichen Räumen.
Die Stiftung:
Charles Rodolphe Brupbacher (1909-1989) gründete als junger
Mann die Privatbank Affida am Paradeplatz, die er nach 40jähriger
Tätigkeit an die Credit Suisse veräusserte. In Verehrung ihres
Gatten, der an Krebs verstarb, gründete seine Witwe, Frédérique
Brupbacher, die Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung.
Weitere Informationen zur Stiftung:
www.brupbacher-stiftung.ch
Kontakt
Prof. Paul Kleihues
Tel. +41 76 435 2110
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