Medienmitteilung vom 30.04.2009
MedienmitteilungDünger verschärft Konkurrenz um Licht und gefährdet Pflanzenvielfalt
Gedüngte Wiesen sind produktiver, aber ärmer an Arten. Forscher der Universität Zürich und der ETH Zürich haben erstmals die Mechanismen identifiziert, die zum Artenverlust führen. Ausschlaggebend ist der Lichtmangel, wie sie in «Science» (Volume 324, Issue 5927) berichten. Die neuen Resultate zeigen, dass die Nährstoffanreicherung in den Wiesen stärker kontrolliert werden muss, wenn die Pflanzenvielfalt erhalten bleiben soll.
Werden Wiesen gedüngt, erhöht sich ihre Produktivität.
Gleichzeitig aber nimmt die pflanzliche Vielfalt ab. In den letzten
fünfzig Jahren haben sich der für Pflanzen verfügbare Stickstoff
und das Phosphatangebot weltweit verdoppelt. Solche zusätzlich
zugeführten Pflanzennährstoffe bilden eine der drei wichtigsten
Ursachen für den Artenverlust in diesem Jahrhundert. Unter der
Leitung von Prof. Andrew Hector von der
Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität
Zürich durchgeführte Experimente zeigen nun erstmals die genauen
Mechanismen auf, die zum Verlust der Artenvielfalt von Wiesen durch
Düngereinsatz führen.
Konkurrenz nach dem Winner-takes-all-Prinzip
Anders als bisher vermutet, hat die Konkurrenz um Nährstoffe
im Boden selbst keine Auswirkungen auf die Artenvielfalt der
Wiesen. Allerdings profitieren die verschiedenen Pflanzenarten vom
zusätzlichen Nährstoffangebot unterschiedlich stark: Einzelne
Pflanzenarten wachsen dank Dünger schneller als andere. In der
Folge wird der krautige Unterbewuchs von den schneller wachsenden
Arten überwuchert und beschattet, um ohne ausreichend Sonnenlicht
schliesslich abzusterben.
Dass Lichtmangel letztlich für das Artensterben
verantwortlich ist, konnten die Forscher in ihren mehrjährigen
Experimenten eindeutig nachweisen: Sobald die Forscher den Pflanzen
im Unterbewuchs künstlich Licht zuführten, blieben die negativen
Auswirkungen der Düngergaben aus, d.h. die Artenvielfalt blieb
unverändert. «Fehlendes Licht ist für den Verlust an Biodiversität
verantwortlich», fasst Yann Hautier das Resultat seiner
Doktorarbeit zusammen. «Die mit der Düngung eingebrachten
zusätzlichen Nährstoffe führen zu einer Konkurrenzsituation nach
dem Winner-takes-all-Prinzip um das lebenswichtige Sonnenlicht.»
Konsequenzen für Bewirtschaftung von Grasland
Die Konkurrenz um Licht als direkte Folge der Eutrophierung
ist eine der Hauptursachen für den Verlust an pflanzlicher
Vielfalt. Nährstoffanreicherung beziehungsweise die Eutrophierung
stellt eine der grössten Gefahren für die Pflanzenvielfalt dar. Die
Resultate von Hectors Forschungsteam ziehen Konsequenzen für die
nachhaltige Bewirtschaftung von Wieslandschaften und die
Formulierung von Naturschutzrichtlinien nach sich. «Unsere
Forschungen zeigen, dass es nötig ist, die Nährstoffanreicherung zu
kontrollieren, wenn die Pflanzenvielfalt langfristig erhalten
bleiben soll», ist Andrew Hector überzeugt.
Literatur:
Yann Hautier, Pascal A. Niklaus, Andrew Hector: Competition
for Light Causes Plant Biodiversity Loss Following Eutrophication,
in: Science (Volume 324, Issue 5927)
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät (MNF) ist eine der sieben Fakultäten der Universität Zürich (UZH). Mit ihren über 120 Professorinnen und Professoren an 16 Instituten lehrt und forscht die MNF auf höchstem Niveau. In den Bereichen Life Sciences und Umweltwissenschaften zählt die MNF der UZH gemäss Shanghai-Ranking zu den europäischen Top-Adressen (Rang 5).
