Medienmitteilung vom 30.01.2009
MedienmitteilungErbgut der wichtigen Nahrungspflanze Sorghum entschlüsselt
Ein internationales Konsortium von Wissenschaftern, darunter Forschende des Instituts für Pflanzenbiologie der MNF der Universität Zürich, hat das gesamte Erbgut der Sorghumhirse Sorghum bicolor entschlüsselt. Sorghumhirse wird in Asien und Nord- und Mittelamerika als Nahrungsmittel, Viehfutter und Brennstoff genutzt. Die Daten der Erbgutanalyse werden bei der züchterischen Anpassung und Verbesserung dieser wichtigen Nutzpflanze an das sich verändernde Klima eine zentrale Rolle spielen.
Die Sorghumhirse ist eine ursprünglich aus Afrika stammende
Kulturpflanze. Sie spielt heute in Indien, China und Teilen von
Nord- und Mittelamerika eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft.
Aus Sorghum werden Nahrungsmittel, Viehfutter, sowie Fasern und
Brennstoff hergestellt. In Afrika ist Sorghum das wichtigste
Brotgetreide überhaupt. Es dient zur Mehlherstellung für
Fladenbrot, wird aber auch zur Bierproduktion eingesetzt. Sorghum
gehört botanisch zu den Gräsern, ist nahe verwandt mit Mais,
Zuckerrohr und dem als nachwachsenden Rohstoff bekannten
Miscanthus. Sie gehört zu den C4-Pflanzen, die Sonnenlicht äusserst
energieeffizient nutzen können. Die Sorghumhirse spielt deshalb in
der pflanzenbiologischen Forschung eine wichtige Rolle.
20'000 getreidespezifische Gene
Ein internationales Konsortium von Wissenschaftern, darunter
auch die Forschungsgruppe von Prof. Beat Keller vom Institut für
Pflanzenbiologie der UZH hat nun das gesamte Genom der Sorghumhirse
Sorghum bicolor entschlüsselt. Ingesamt umfasst das Erbgut 730
Millionen Basenpaare. Es ist damit knapp doppelt so gross wie das
Erbgut von Reis, hat aber nur ein Viertel der Grösse des
Maisgenoms. Der Vergleich mit dem Reisgenom ermöglichte es, ein Set
von 20'000 getreidespezifischen Genen zu identifizieren. Diese
bilden offensichtlich die Grundlage für die spezifische Entwicklung
und Funktion von Gräsern.
Die Analyse des Sorghumgenoms erlaubt die detaillierte
Analyse der Evolutionsvorgänge in dieser Art während den letzten 70
Millionen Jahren, aber auch in der kurzen Zeit von mehreren Tausend
Jahren seit der Mensch diese Pflanze als Kulturart nutzt. Zudem
werden die vielfältigen Daten aus der Erbgutanalyse eine wichtige
Rolle in der zukünftigen züchterischen Verbesserung und Anpassung
von Sorghum an sich verändernde Klimabedingungen spielen. Die
Ergebnisse dieser Arbeit sind in der Fachzeitschrift «Nature»
(volume 457, issue 7229) publiziert.
Originalbeitrag:
Andrew H. Paterson, John E. Bowers, Rémy Bruggmann et al.:
The Sorghum bicolor genome and the diversification of grasses, in:
Nature, doi:10.1038/nature07723;
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät (MNF) ist eine der sieben Fakultäten der Universität Zürich (UZH). Mit ihren über 120 Professorinnen und Professoren an 16 Instituten lehrt und forscht die MNF auf höchstem Niveau. In den Bereichen Life Sciences und Umweltwissenschaften zählt die MNF der UZH gemäss Shanghai-Ranking zu den europäischen Top-Adressen (Rang 5).
