Medienmitteilung vom 17.02.2009
MedienmitteilungErster Blick auf neuartigen Quanteneffekt
Ein internationales Forscherteam hat erstmals Elektronen im Quanten-Spin-Hall-Zustand beobachten und messen können. Die Spinströme fliessen ohne äusseren Anreiz aufgrund der inneren Struktur des Materials. Der Informationsfluss erfolgt auch bei Materialunregelmässigkeiten verlustfrei, wie die Forschenden in «Science» (Volume 323, Issue 5916) berichten. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Datenverarbeitung.
Der Spin ist eine quantenmechanische Eigenschaft von
Elementarteilchen und kommt grundsätzlich in zwei Varianten vor.
Deshalb eignet er sich als binärer Informationsträger. In
Festplatten etwa werden Spins bereits zur Speicherung von digitalen
Informationen genutzt. 2007 wurde der so genannte
Quanten-Spin-Hall-Effekt entdeckt, der es möglich machen könnte,
die Information zukünftiger Speichermedien nahezu verlustfrei zu
transportieren und elektrisch zu manipulieren. Jetzt konnte ein
internationales Forscherteam erstmals einen tiefen Einblick in die
inneren Vorgänge beim Quanten-Spin-Hall-Effekt gewinnen. Dem von
Forschern der Princeton University angeführten Team unter
Beteiligung von Forschenden des Physik-Instituts der Universität
Zürich und der Schweizerischen Synchrotron-Strahlungsquelle SLS am
Paul-Scherrer-Institut ist ein direkter Blick auf die Spins der
fliessenden Teilchen gelungen, wie sie in «Science» berichten.
Mit Hilfe eines spin-auflösenden
Photoelektronenspektrometers, das die Zürcher
Oberflächenphysik-Gruppe an der SLS in den letzten Jahren aufgebaut
und erfolgreich in Betrieb genommen hat, konnte erstmals das
Spin-Muster direkt gemessen werden. «An der Oberfläche einer
Legierung aus Wismut und Antimon sieht man zwei gegeneinander
laufende Spinströme, die ohne Energiezufuhr existieren», erklärt
Prof. Jürg Osterwalder von der Universität Zürich.
Elektronen, die sich in eine Richtung bewegen, können nicht
plötzlich umkehren, da sie dabei gleichzeitig ihren Spin drehen
müssten was sie nur sehr ungern und nur in Gegenwart magnetischer
Verunreinigungen tun. Deshalb treten keine Verluste auf, selbst
wenn das Material Unregelmässigkeiten aufweist. «Die Ursache dieses
erstaunlich robusten Oberflächenphänomens liegt in einer ganz
speziellen elektronischen Struktur im Inneren des Materials», führt
Prof. Osterwalder weiter aus. Die jetzt nachgewiesenen Spinströme
auf diesen so genannten topologischen Materialien, die von einer
Forschergruppe an der Princeton University entdeckt und hergestellt
wurden, sollten elektrisch manipulierbar sein. Damit könnten sie
als Quelle für Spins dienen für Anwendungen in der Spin-Elektronik,
kurz Spintronik. Bei der Spintronik wird nicht nur die elektrische
Ladung genutzt, sondern auch der Spin von Elektronen, um neuartige
Konzepte zur Verarbeitung und Kodierung von Informationen in der
Datenverarbeitung zu realisieren. «Mit solchen Messungen an der SLS
können in Zukunft gezielt Materialien auf diese Eignung hin
untersucht werden», sagt Prof. Osterwalder.
Originalbeitrag:
D. Hsieh, Y. Xia, L. Wray, D. Qian, A. Pal, J. H. Dil, J.
Osterwalder, F. Meier, G. Bihlmayer, C. L. Kane, Y. S. Hor, R. J.
Cava, M. Z. Hasan: Observation of Unconventional Quantum Spin
Textures in Topological Insulators, In: Science, (Vol 323, issue
5916), DOI: 10.1126/science.1167733
