Medienmitteilung vom 29.01.2009
MedienmitteilungGlobales Gletscherschmelzen geht weiter
Weltweit schmelzen die Gletscher in hohem Tempo weiter. Wie die neuesten Zahlen des World Glacier Monitoring Service an der Universität Zürich für das Jahr 2007 zeigen, ist die Eisdicke der Gletscher um durchschnittlich 67 Zentimeter Wasseräquivalent (w.e.) dünner geworden. In den Alpen haben einzelne Gletscher bis 2.5 Meter w.e. an Dicke verloren.
Die neusten, noch vorläufigen Daten von insgesamt mehr als 80
Gletschern bestätigen den globalen Trend der Eisschmelze seit 1980.
In diesem Zeitraum haben die Gletscher mit Langzeitmessreihen (30
Gletscher in 9 Gebirgsregionen) durchschnittlich mehr als 11 Meter
w.e. an Dicke verloren. Zwischen 1980 und 1999 ist deren Eis
durchschnittlich um knapp 30 Zentimeter w.e. pro Jahr geschmolzen.
Seit 2000 ist dieser Wert auf rund 70 Zentimeter w.e. pro Jahr
angestiegen.
Michael Zemp, Glaziologe und Mitarbeiter des WGMS, erklärt:
«Der durchschnittliche Eisverlust im Jahr 2007 war nicht so extrem
wie im Jahr 2006, aber es gibt grosse Unterschiede zwischen den
Berggebieten. Gletscher in den europäischen Alpen haben bis zu 2.5
Meter Wasseräquivalent Eis verloren, während die Eisdicke von
maritimen Gletschern in Skandinavien um einen Meter zugenommen hat.
Trotzdem ist 2007 jetzt das sechste Jahr dieses Jahrhunderts, in
dem der durchschnittliche Eisverlust der Gletscher mit langen
Messreihen einen halben Meter übersteigt. Damit hat sich die
Schmelzrate der 1980er- und 1990er-Jahren mehr als verdoppelt.»
Für das Beobachtungsjahr 2007 wurden in den europäischen
Alpen dramatische Eisverluste registriert so zum Beispiel am
Hintereisferner (-1.8 Meter w.e.) oder Sonnblickkess (-2.2 Meter
w.e.) in Österreich, am Sarennes (-2.5 Meter w.e.) in Frankreich
oder Carèser (-2.8 Meter w.e.) in Italien. Auch in der Schweiz
wurden Eisverluste von mehr als einem Meter gemeldet, so am
Silvretta (-1.3 Meter w.e.) und am Gries (-1.7 Meter w.e.). In
Norwegen konnten einige küstennahe Gletscher Eis zulegen so z.B.
der Nigardsbreen (+1.0 Meter w.e.) oder der Ålfotbreen (+1.3 Meter
w.e.) während die Inland-Gletscher wie der Hellstugubreen oder
Gråsubreen weiter schmolzen (beide -0.7 Meter w.e.).
Die Massenbilanzen, also der Eisverlust oder Eiszuwachs,
waren in Südamerika alle negativ, von -0.1 Meter w.e. am Echaurren
Norte in Chile bis zu -2.2 Meter w.e. am Ritacuba Negro in
Kolumbien. In Nordamerika sind einige positive Werte zu vermelden
aus den North Cascade Mountains und dem Juneau Ice Field; und
Eisverluste bei Gletschern in den Kenai Mountains und der Alaska
Range wie auch in Canadas Coast Mountains und Canadas
Hocharktis.
Masseinheit Wasseräquivalent
Glaziologen drücken die jährliche Massenbilanz, also
Dickenzuwachs oder -Abnahme, von Gletschern in Meter
Wasseräquivalent (m w.e.) aus. Das Wasseräquivalent gibt an,
welchen Wassergehalt die gemessene Dickenänderungen in Eis, Firn
und Schnee haben (siehe Photos 1 und 2). Ein Meter Eis entspricht
dabei ungefähr 0.9 Meter w.e.
World Glacier Monitoring Service
Die internationale Gletscherbeobachtung wurde 1984 nach dem
Vorbild des Schweizer Gletschermessnetzes gegründet und seither
mehrheitlich durch die Schweiz geführt. Heute ist der World Glacier
Monitoring Service (WGMS) verantwortlich für die Sammlung und
Publikation von standardisierten Gletscherdaten aus der ganzen
Welt. Der WGMS, mit Sitz am Geographischen Institut der Universität
Zürich, pflegt ein Kontaktnetz von lokalen Forschern und nationalen
Korrespondenten in den Ländern, welche in der Gletscherforschung
aktiv sind. Das Langzeit-Monitoring von Gletschern liefert
ausserdem wichtige Kennzahlen für die globalen
Klimabeobachtungsprogramme der grossen internationalen
Organisationen.


