Medienmitteilung vom 20.01.2009
MedienmitteilungInternet eröffnet Schweizer Vermögensverwaltern neue Perspektiven
Vermögende Schweizerinnen und Schweizer schätzen die persönliche Anlageberatung sehr. Doch dieses Kundensegment nimmt kontinuierlich ab, weil sich die kommende Erbengeneration auch gegenüber Online-Lösungen im Private Banking sehr offen zeigt. Dies geht aus einer Studie des Instituts für schweizerisches Bankenwesen der Universität Zürich hervor. Gemäss den Ergebnissen dieser Studie können sich den zugleich traditionsreichen und zukunftsgerichteten Privatbanken viel versprechende Marktnischen eröffnen, wenn sie ihre Beratungskonzepte entsprechend anpassen.
In Zeiten schwindenden Vertrauens in Banken und deren Berater
führt die Rückbesinnung auf das Wesentliche, nämlich die Beratung
des Kunden mit einfachen, verständlichen Lösungen und die
Konzentration auf die wahren Kundenbedürfnisse, zu erhöhter
Kundenzufriedenheit und dadurch zu Wachstum. Dies zeigt die
aktuelle Befragung, welche Teodoro Cocca, Rudolf Volkart und Pablo
von Siebenthal vom schweizerischen Bankeninstitut der Universität
Zürich bei Schweizer Private-Banking-Kunden, bei Kundenberaterinnen
und -beratern sowie bei Exponentinnen und Exponenten des
Managements Schweizer Vermögensverwalter durchgeführt haben.
Schweizer Private-Banking-Kundinnen und -Kunden wünschen sich die
Beraterin oder den Berater in der Funktion eines Sparringpartners.
Das Feedback, welches die Kunden zu ihren eigenen Überlegungen vom
Berater erhalten, stellt für sie der bedeutendste Vorteil einer
persönlichen Beratung dar. Besonders schätzen die Kundinnen und
Kunden dabei, dass sie durch die Erklärungen der Beratenden die
Informationen besser verstehen und durch die persönliche Beratung
eine grössere Bandbreite an Lösungen erhalten.
Geht es jedoch darum, die Erbengeneration der heutigen
Private-Banking-Kunden zu gewinnen, so gilt es, die in der
Vermögensverwaltungsbranche noch immer weit verbreitete Meinung zu
revidieren, dass Internet und Private Banking nicht zusammenpassen:
Die Resultate der Studie zeigen auf, dass in den nächsten Jahren
signifikante Veränderungen des Kundenverhaltens im Private Banking
zu erwarten sind und dass Internet-affine Kundinnen und Kunden
einen zunehmenden Anteil der Vermögensverwaltungskundschaft
ausmachen werden.
Noch um die Jahrtausendwende war man davon überzeugt, dass
das Internet das Private Banking von Grund auf verändern würde. Die
Resultate der vorliegenden Studie sprechen hingegen auch für das
Weiterbestehen des traditionellen Vermögensverwaltungsgeschäfts.
Das heisst, dass es das Kundensegment, welches das Internet weder
zur Information noch zur Transaktionsabwicklung nutzt, auch in
Zukunft geben wird. Und wenn dieses Segment heute noch die
überwiegende Mehrheit der Kundinnen und Kunden bildet, so ist es
gleichzeitig im Begriff, sich deutlich zu verkleinern.
Studienleiter Teodoro Cocca folgert daraus: «Es ist somit eine
unternehmerische Entscheidung, ob eine Bank in einem eher
schrumpfenden, aber grossen Markt agiert oder beginnt, sich in
einem heute zwar kleinen, aber wachsenden Markt zu positionieren.»
Beide Strategien machen aus Sicht des Studienleiters
betriebswirtschaftlich Sinn. Als Erfolgsfaktor für den Umgang mit
dem Internet formuliert er: «Wichtig ist, dass die Online-Strategie
zur Gesamtstrategie der Bank passt, sonst riskiert sie, ein teures
Abenteuer einzugehen.»
Wie namhafte Beispiele erfolgreicher Online-Strategien
belegen, ist das Internet nicht nur als Alternative zu einer
persönlichen Beratung zu sehen. Vielmehr lässt sich dieses Medium
dazu nutzen, die persönliche Bindung zwischen Kunden und Beratenden
zu stärken und so Mehrwert für Kunde und Bank zu generieren. Die
gute Nachricht für die Kundenberaterinnen und Kundenberater: Es
wird sie immer brauchen im Private Banking. «Das
Vermögensverwaltungsgeschäft wird auch in der neuen digitalen Welt
weiterhin ein Peoples Business bleiben, aber zunehmend mit einem
First-Class-Online-Angebot», fasst Cocca die Entwicklung
zusammen.
Zu den Autoren:
Prof. Teodoro D. Cocca
Prof. Dr. Rudolf Volkart
Pablo von Siebenthal
Zur Studie:
Die Studie ist mit finanzieller Unterstützung der Stiftung
Ecoscientia und des NCCR FINRISK (National Centre of Competence in
Research «Financial Valuation and Risk Management») entstanden. Die
Umfrage und die Interviews wurden im Zeitraum von Juni bis August
2008 durchgeführt.
