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Prof. Dr. Donat R. Spahn, Direktor des Institutes für Anästhesiologie
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Medienmitteilung vom 27.03.2009

Medienmitteilung

Neue Methoden zur Bekämpfung von chronischen Schmerzen

Das UniversitätsSpital und die Universität Zürich erforschen neue Behandlungsmethoden gegen chronische Schmerzen. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat für das Forschungsprojekt des Instituts für Anästhesiologie 1,9 Millionen Franken bewilligt.

Fast 20 % der Erwachsenen in der Schweiz leiden unter chronischen Schmerzen. In beinahe 60 % der Fälle bestehen die Schmerzen länger als zwei Jahre und zwei Drittel der Betroffenen sind mit der Schmerzbehandlung unzufrieden; einerseits wegen Erfolglosigkeit und andererseits wegen unerwünschten Nebenwirkungen. Mittlerweile ist erwiesen, dass chronische Schmerzen, egal ob entzündlich oder neurologisch bedingt, durch Veränderungen im Nervensystem aufrechterhalten werden können und oft resistent gegenüber klassischen schmerzstillenden Medikamenten sind. Schmerzreize werden entlang des peripheren Nervensystems ins zentrale Nervensystem mit Hilfe von so genannten Natriumkanälen geleitet. Die Experten nehmen an, dass quantitative und qualitative Veränderungen von Subtypen dieser Natriumkanäle für die Entstehung und die Unterhaltung der Schmerzzustände verantwortlich sind. Heutige antikonvulsive Medikamente, die unspezifisch Natriumkanäle blockieren können, kann man aufgrund ihrer Pharmakokinetik und unerwünschten Nebenwirkungen nur begrenzt einsetzen. Neue spezifischere Blocker könnten richtungsweisend für die Schmerztherapie der Zukunft sein. Im zentralen Nervensystem werden die peripheren Schmerzreize durch synaptische Übertragung verarbeitet und weitergeleitet. Bei einer Reizüberflutung ist diese Verarbeitung verändert und kann so zusätzlich zur Unterhaltung von chronischen Schmerzzuständen beitragen. Ein vom Institut für Pharmakologie der Universität Zürich kürzlich im Tiermodell nachgewiesener Mechanismus zur Unterdrückung dieser Übertragung durch selektive Aktivierung von sog. GABAA-Rezeptorenuntereinheiten könnte dem entgegenwirken.

Das nun vom SNF unterstützte Forschungsprojekt unter der Leitung des Zürcher Universitätsspitals und der Universität Zürich hat zum Ziel, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse im Rahmen der translationalen Forschung bis hin zur klinischen Anwendung zu untersuchen. In gemeinsam abgestimmten Untersuchungen werden Forscher aus den Bereichen Anästhesiologie und Pharmakologie an den Universitäten und Universitätsspitälern von Bern, Genf, Lausanne und Zürich neue Behandlungsmethoden wissenschaftlich analysieren, die einerseits die Funktion von Natriumkanälen in der Peripherie und andererseits die Übertragung an den Synapsen am zentralen Nervensystem modulieren. Tierversuche und Studien an Probanden werden als Basis für klinische Studien an Patienten mit chronischen oder durch Nervenleiden bedingten Schmerzen dienen. Das vorgesehene Projekt wird hervorragende Möglichkeiten für die Schmerzforschung bieten und durch seine Erkenntnisse ermöglichen, zahlreichen Patientinnen und Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden, zu helfen. Zudem wird das Projekt zur Schaffung einer Multizenter-Forschungsinfrastruktur im Bereich Schmerz beitragen, wie sie in der Schweiz bis heute fehlt.