Medienmitteilung vom 07.10.2009
Neuer Zusammenhang zwischen chronischer Entzündung und Leberkrebs gefunden
Forscher der Universität Zürich und des Universitätsspitals haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der zu Leberzellkrebs nach einer Infektion mit Hepatitis führt. Sie schlagen eine neue therapeutische Strategie zur Behandlung von Leberkrankheiten mit chronischer Entzündung vor. Die Studie erscheint in der Oktober-Ausgabe der renommierten Zeitschrift «Cancer Cell».
Hepatitis B- und Hepatitis C-Viren verursachen chronische Leberentzündung und können zu Leberzellkrebs (Hepatozellulärem Karzinom) führen, dem häufigsten primären Leberkrebs. Pro Jahr sterben weltweit cirka 500000 Menschen an dieser Erkrankung. Man nimmt an, dass die veränderte Expression von Botenstoffen an der entzündungsvermittelten Leberkrebs-Entstehung entscheidend beteiligt ist. Die Mechanismen, die diese Tumorentwicklung verursachen, sind bisher aber nicht genau bekannt, erklärt Mathias Heikenwälder, Molekular-Biologe und Seniorautor der Studie.
Die Botenstoffe Lymphotoxin α und β werden vorwiegend von weissen Blutkörperchen, den Lymphozyten, produziert und spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung lymphatischer Organe und der Kontrolle von Immunantworten. Frühere Forschungsarbeiten haben angedeutet, dass mit Hepatitis C infizierte Lebern deutlich mehr Lymphotoxin ausschütten als normale Lebern. Die Laboratorien von Mathias Heikenwälder, Professor Adriano Aguzzi und Kollegen untersuchten nun eine mögliche Verbindung zwischen abweichender, anhaltender Lymphotoxin-Produktion in der Leber, chronischer Leberentzündung und Krebsbildung.
Die Forscher fanden heraus, dass Lymphotoxin α und β sowie ein Lymphotoxin-Rezeptor bei Leberentzündungen, die durch Hepatitis B und C verursacht werden, und bei Leberzellkrebs stark produziert werden. Es zeigte sich zudem, dass die Lymphozyten und die Leberzellen selbst die Botenstoffe Lymphotoxin α und β produzieren. Um die Mechanismen genauer zu untersuchen, generierten die Forscher Mäuse mit einer erhöhten Lymphotoxin-Produktion. Diese erhöhte Produktion verursachte bei den Mäusen chronische Leberentzündungen und Leberzellkrebs. Wurde die Rezeptor-Signalübermittlung bei den Mäusen mit chronischer Leberentzündung blockiert, so konnte die Entzündung deutlich verringert und die Krebsentwicklung verhindert werden.
Es scheint, als ob der Rezeptor-Signalweg in der Leber – wenn kurz angeschaltet – vorteilhaft und – wenn chronisch angeschaltet – schädlich sein könnte. Alles deutet darauf hin, dass ein dauerhaft aktivierter Rezeptor zu Leberzellkrebs führen kann, der durch chronische Leberentzündung verursacht wird. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine erhöhte Lymphotoxin-Produktion in der Leber wesentlich zur chronischen Leberentzündung und der daraus folgenden Krebsbildung beiträgt. Das Blockieren des Signalweges könnte ein vorteilhafter therapeutischer Ansatz zur Behandlung chronischer Leberentzündung und anderer Leberkrankheiten sein, in denen dieser Signalweg übermässig angeschaltet ist», erklärt Mathias Heikenwälder.
Orginalbeitrag:
Johannes Haybaeck, Nicolas Zeller, Monika Julia Wolf, Achim Weber, Ulrich Wagner, Michael Odo Kurrer, Juliane Bremer, Giandomenica Iezzi, Rolf Graf, Pierre-Alain Clavien, Robert Thimme, Hubert Blum, Sergei A. Nedospasov, Kurt Zatloukal, Muhammad Ramzan, Sandra Ciesek, Thomas Pietschmann, Patrice N. Marche, Michael Karin, Manfred Kopf, Jeffrey L. Browning, Adriano Aguzzi and Mathias Heikenwalder: A Lymphotoxin-Driven Pathway to Hepatocellular Carcinoma; Cancer Cell, doi:10.1016/j.ccr.2009.08.02