Medienmitteilung vom 13.03.2009
Medienmitteilung«Out of Africa» über die frühesten Auswanderer und die Wurzeln unserer Kultur
Das Museum der Anthropologie der Universität Zürich zeigt bis zum 31. Dezember 2009 die neue Sonderausstellung «Out of Africa». Sie gibt einen Einblick in die Detektivarbeit der Archäologen und Paläontologen, die im Nahen Osten die Wurzeln der menschlichen Kulturen freilegen.
Die ältesten Spuren unserer Vorfahren sind in Ostafrika zu
finden. Diese frühen Vertreter der Gattung Homo sind zu
nomadisierenden Jägern geworden. Ihrer Jagdbeute folgend haben sich
diese Frühmenschen verbreitet und erscheinen in der Zeit zwischen
1,6 und 0,7 Millionen Jahren auch in Eurasien. Ihre Wanderrouten
sind noch wenig erforscht, aber ein wichtiger Durchgang stellt die
Region des Nahen Ostens dar. Neuere Untersuchen, wie sie seit mehr
als 25 Jahren im Becken von El Kowm erfolgen, zeigen, dass die
Steppengebiete ebenfalls eine wichtige Rolle in der Eroberung von
Eurasien spielten. Das Becken von El Kowm liegt ungefähr auf halbem
Wege zwischen dem fruchtbaren Tal des Euphrats und der Oase von
Palmyra. Die zahlreichen Wasserstellen in einer wüstenähnlichen
Umgebung waren immer Anziehungspunkte für Steppentiere. Die
Beduinen nutzen diese Quellen ebenfalls seit langer Zeit und legten
zum Teil tiefe Brunnenschächte an. Im Auswurf dieser Brunnen wurden
Knochen und Kulturreste gefunden, die nun die Grundlage der
Erforschung einer mehr als 1,4 Millionen Jahre alten Geschichte
bilden.
Kamele als Nahrungsbasis
Die Ausstellung im Museum der Anthropologie gibt einen
Einblick in die Forschungsarbeit der Archäologen und Anthropologen,
welche die frühesten Werkzeugkulturen und ihre Evolution zu immer
komplexeren Artefakten untersuchen. Die Ausgrabungen lieferten bis
anhin auch eine Vielzahl an Tierknochen. Mit Hilfe dieser Reste
wurde zum ersten Mal klar, dass sich diese frühen Jägernomaden auch
an diese unwirtliche Gegenden angepasst hatten. Im Unterschied zu
allen anderen Fundstellen im Übergang zu den nördlicheren Bereichen
spielten die Kamele eine wichtige Nahrungsbasis. In der Fundstelle
von Hummal lässt sich die Geschichte der Dromedare über mehr als
eine Million Jahre verfolgen, was bis heute noch nie möglich war.
Aussergewöhnlich sind auch zahlreiche Knochen eines Riesenkamels,
die hier zum ersten Mal entdeckt wurden und heute am
anthropologischen Institut der Universität Zürich untersucht
werden.
Das Hauptinteresse liegt allerdings bei den Menschenartigen,
die sich in zwei wichtigen Auswanderungswellen über den Nahen Osten
ausbreiteten. Reste der ersten Welle fehlen noch, aber die
Anwesenheit des frühen Homo ist durch die ältesten Steinwerkzeuge,
vor einer Million Jahre, belegt. Eine zweite Welle betrifft den
anatomisch modernen Menschen, der sich vor mehr als 160'000 Jahren
in Afrika entwickelte und unter anderem die urtümlichen
Neandertaler in Europa abgelöst hat. Spärliche Spuren dieser
kritischen Phase sind bereits gefunden worden.
Anhand von Bildern, Objekten und Kurzfilmen erläutert die
Ausstellung die Detektivarbeit der Urgeschichtsforscher. Der Nahe
Osten erscheint damit nicht nur als Geburtstätte von Schrift und
Religion, sondern beinhaltet ebenfalls die Wurzeln der menschlichen
Kultur. Zudem hat die Region als wichtige Pforte für die ersten
Menschen gedient, die als nomadisierende Jäger den afrikanischen
Kontinent verlassen haben.
Museum der Anthropologie
Universität Zürich, Irchel, Winterthurerstrasse 190, 8057
Zürich
Öffnungszeiten: Dienstag- Sonntag 12:00 18:00 Uhr
Ausstellung vom 13. März 31. Dezember 2009
www.aim.uzh.ch



