Medienmitteilung vom 17.03.2009
MedienmitteilungSchweizer Arbeitsmarkt: Jeder Dritte ist zu einem Berufs- und Wohnortswechsel bereit
Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität gelten in der heutigen Arbeitswelt als Erfolgskriterien und sind in Krisenzeiten besonders wichtig. Schweizer Arbeitnehmende weisen eine hohe grundsätzliche Bereitschaft zum berufsbedingten Wechsel von Wohnort und beruflicher Veränderung auf. Zur tatsächlichen Umsetzung sahen sich bislang nur wenige veranlasst. Dies sind die Erkenntnisse des diesjährigen Schweizer HR-Barometers.
Laut dem HR-Barometer 2009 der Universität und der ETH Zürich
schätzen Schweizer Arbeitnehmende ihre Bereitschaft zur Mobilität
generell hoch ein. Fast ein Drittel der Befragten sind einem
berufsbedingten Wohnortswechsel durchaus zugeneigt, während sich
mehr als 40% gar einen Berufswechsel vorstellen können.
Auf Schweizer Arbeitsmarkt bislang wenig Mobilität
Die hohe Mobilitätsbereitschaft ist angesichts der
gesteigerten Anforderungen der heutigen Arbeitswelt
nachvollziehbar, denn Flexibilität und Mobilität werden von
Arbeitgebenden häufig vorausgesetzt. Zwischen der persönlichen
Einstellung und dem gezeigten Verhalten existierte im letzten Jahr
jedoch eine Diskrepanz. So zeigt die Studie von Prof. Gudela Grote
und Prof. Bruno Staffelbach, dass fast 80% der Schweizer
Arbeitnehmenden zu den «Job-Keeper» zählen, also im vergangenen
Jahr weder ihren Arbeitgeber noch den Beruf gewechselt haben. Nur
gerade 10% haben innerhalb eines Betriebs ihre Funktion verändert
und nochmals beträchtlich weniger haben innert Jahresfrist einen
Wechsel des Arbeitgebers und der Berufsfunktion vorgenommen. Diese
Zahlen belegen, dass Orts- und Arbeitgeberwechsel zwar in Erwägung
gezogen, aber erst bei tatsächlichem Bedarf umgesetzt werden. Dies
lässt sich einerseits damit erklären, dass die Gegebenheiten des
Arbeitsmarktes Mobilität nicht immer voraussetzen. Andererseits
sind viele Beschäftigte zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer
Arbeitsumgebung. Sie bleiben ihrem Arbeitgeber treu, solange
äussere Umstände, wie etwa eine schlechte Wirtschaftslage, sie
nicht zu einem Wechsel zwingen.
Auch Arbeitgebende sind gefordert
Mobilität darf allerdings nicht ausschliesslich als
Angelegenheit der Arbeitnehmenden angesehen werden. So sind in
ähnlichem Masse Arbeitgeber gefordert, welche ihren Beitrag zu
einer mobilen und flexiblen Arbeitsmarktsituation leisten wollen,
um auch in Krisenzeiten die richtigen Mitarbeitenden finden und
behalten zu können. «Arbeitgebende, welche ihren (potentiellen)
Mitarbeitenden attraktive Arbeitsmodelle anbieten, sind
schlussendlich auch bei der Rekrutierung von Wunsch-Arbeitskräften
erfolgreich. Auf diese Weise wird ersichtlich, wie sehr
Mobilitätsbereitschaft auch von der Arbeitgeber-Attraktivität
abhängt», bekräftigt Michael Agoras, Country Manager Adecco
Switzerland and Austria.
Betriebsklima und vielfältige Arbeit sind die wichtigsten
Attraktivitätsfaktoren
Was hält Beschäftigte in einer Firma beziehungsweise weshalb
hält, gewinnt oder verliert ein Unternehmen Mitarbeitende?
Besonders häufig werden HR-spezifische Gründe wie das Fehlen eines
angenehmen Betriebsklimas, einer abwechslungsreichen
Arbeitstätigkeit und der Kompatibilität mit der eigenen Laufbahn-
und Lebensgestaltung als Ursache für einen Arbeitsplatzwechsel
genannt. Der Lohn wird zwar als potenzieller Wechselgrund erwähnt,
in der Realität spielt dieser Faktor allerdings eine untergeordnete
Rolle. Die Befragten äussern generell eine hohe Zufriedenheit mit
der Arbeitsstelle, der beruflichen Laufbahn und ihrer
Work-Life-Balance. Das Commitment gegenüber dem Arbeitgeber wird
durch Partizipationsmöglichkeiten, freie Arbeitsgestaltung und
Leistungsbeurteilung gesteigert.
Zur Studie:
Der Schweizer HR-Barometer misst die Betriebstemperatur in
Schweizer Unternehmen. Erhoben werden dazu Themen wie
Lohnzufriedenheit, Motivation, Arbeitszufriedenheit,
psychologischer Vertrag, Arbeitsflexibilisierung,
Karriereorientierungen, Arbeitsplatz(un)sicherheit,
Arbeitsmarktfähigkeit, Personalentwicklung und Organisation des
HRM. Die Studie wird von Prof. Dr. Gudela Grote, Professur für
Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich und von Prof.
Dr. Bruno Staffelbach, Inhaber des Lehrstuhls für Human Resource
Management an der Universität Zürich, alljährlich herausgegeben.
Die Basis des HR-Barometers 2009 bilden 1443 Interviews,
welche von geschulten Fachpersonen der Universität Zürich und der
ETH Zürich zwischen März und Mai 2008 telefonisch durchgeführt
wurden. Davon entfallen 1047 auf die Deutschschweiz und 396 auf die
Romandie. Die aktuelle Ausgabe widmet sich den Schwerpunktthemen
Mobilität und Arbeitgeberattraktivität.
Der HR-Barometer 2009 entstand mit grosszügiger Unterstützung
folgender Institutionen: Adecco Switzerland (Hauptsponsor), Axpo,
IBM, Raiffeisen, Die Post, ZGP und Ecoscientia Stiftung.
Gudela Grote, Bruno Staffelbach (Hgs.): Schweizer
HR-Barometer 2009. Zürich 2009. NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher
Zeitung. ISBN 978-3-03823-512-5.
Format 21 x 28 cm; gebunden; Grafiken/Diagramme/Tabellen; 184
Seiten; CHF 80.
Für Rezensionsexemplare des Buches Schweizer HR-Barometer
2009:
Dorothee Schneider
NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung
d.schneider@nzz.ch, +41 (0)44 258 19 92
