Medienmitteilung vom 04.02.2009
MedienmitteilungSchwerelose Gefahr für das Immunsystem
Ein Team der Universitäten Zürich und Magdeburg und der Schweizer Luftwaffe untersuchen auf so genannten Parabelflügen Zellen des Immunsystems in der Schwerelosigkeit. Dabei werden in extremen Steig- und Sturzflügen mit einen Airbus A 300 Schwerelosigkeitsphasen erzeugt, in denen die Zürcher Forscher direkt an Bord ihre Experimente durchführen können.
Die Fehlfunktion des menschlichen Immunsystems in der
Schwerelosigkeit ist eines der Hauptprobleme der bemannten
Raumfahrt. Denn ein Teil der Zellen des Immunsystems verweigert in
der Schwerelosigkeit ihren Dienst, ein anderer Teil beginnt
unkontrolliert zu arbeiten. Astronauten leiden im All nicht nur
verstärkt unter Infektionen, auch erwachen Viren im Nervensystem zu
neuer Aktivität. Das Problem liegt hierbei in den Zellen selber,
die in Schwerelosigkeit anders funktionieren als auf der Erde.
Ein besonderes Augenmerk richten die Forscher auf die Zellen
des Immunsystems im Gehirn. «Denn das Immunsystem des Gehirns ist
eine ganz besonders heikle Angelegenheit», betont Prof. Oliver
Ullrich vom Anatomischen Institut der Universität Zürich. «Bei
einem zu wenig an Immunüberwachung breiten sich unerwünschte Viren
im Nervensystem aus, bei einem zu viel an Immunüberwachung kommt es
zu schädlichen Entzündungen,» erläutert der Forschungsleiter die
kritische Lage des Gehirns. Gerade im Gehirn ist daher eine
hochfein regulierte und kontrollierte Immunüberwachung
überlebenswichtig. Bei Langzeitflügen auf der Internationalen
Raumstation ISS oder ultralangen Missionen zum Mars besteht
aufgrund des gestörten Immunsystems eine ganz reale Gefahr für das
Gehirn. «Ohne dass Ideen existieren, wie man Langzeitflüge durch
bestimmte Medikamente sicherer machen kann, fliegen wir bei jeder
erdfernen Mission direkt in ein Immunproblem, mit noch unbekannten
Folgen für Gehirn und Körper der Astronauten», warnt Prof. Ullrich.
Die aktuelle Parabelflugkampagne des Deutschen Zentrums für
Luft- und Raumfahrt (DLR), an der die UZH-Forschenden teilnehmen,
findet vom 3. bis 13.2.2009 in Bordeaux statt. Die Schweizer
Luftwaffe sorgt nicht nur für den Transport der sensiblen Zellen,
der hochempfindlichen Materialien und der wertvollen
wissenschaftlichen Proben nach Frankreich, sondern ist auch direkt
an den Forschungen beteiligt: Hauptmann Marc Studer,
Berufsmilitärpilot der Schweizer Luftwaffe, arbeitet am
Anatomischen Institut der Universität Zürich an seiner Doktorarbeit
über das Immunproblem im All.
Prof. Ullrich, der neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit als
Professor am Anatomischen Institut in Zürich auch Professor für
Weltraumbiotechnologie an der Universität Magdeburg in Deutschland
ist, leitet verschiedene weltraummedizinische Forschungsvorhaben
des DLR und der europäischen Raumfahrtagentur ESA zum Immunsystem.
«Aber es geht uns nicht allein um den Weltraum», betont Prof.
Ullrich, «sondern vielmehr auch um die Erde. Denn Forschung über
die Schwerkraft ist nicht mehr und nicht weniger als die Forschung
über eines der grundlegendsten Prinzipien allen Lebens auf der
Erde.»


