UZH News
Mediadesk
Agenda

Kontakt

Felix Gutzwiller, Prof. Dr. med., Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Tel. 079 419 32 55

Michael K. Hohl, Prof. Dr. med., Frauenklinik Kantonsspital Baden
Tel. 056 486 35 02

Medienmitteilung vom 05.05.2009

Medienmitteilung

Überzählige Embryonen: Schweizer Paare offener als das heutige Gesetz

Schweizer Eltern sind mehrheitlich bereit, ihre überzähligen Embryonen der Forschung zur Verfügung zu stellen. Zudem zieht rund die Hälfte der Befragten eine Embryonen-Spende an andere Paare einer Vernichtung der überzähligen Embryonen vor. Dies zeigt eine erstmalige Befragung in der Schweiz, die das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich durchgeführt hat und die im Wissenschaftsjournal «Human Reproduction» veröffentlicht wurde.

In der neuen Studie zeigen sich 70 Prozent der befragten Paare, die Eigner von überzähligen Embryonen nach fruchtbarkeitsmedizinischen Verfahren sind, offen für Verwendung dieser überzähligen Embryonen für die Forschung, wie es die heutige schweizerische Gesetzgebung ermöglicht. 52 Prozent der Befragten sprechen sich aber auch für eine Embryonen-Spende an andere Paare aus. «Damit wird diese Option der Zerstörung der Embryonen vorgezogen, obwohl sie gemäss der schweizerischen Gesetzgebung heute nicht gestattet ist,» erklärt Prof. Felix Gutzwiller vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich.

Ein Team des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich hat zusammen mit der Frauenklinik des Kantonsspitals Baden und den schweizerischen Zentren für Fruchtbarkeitsmedizin mittels Fragebogens 926 Frauen und Männer nach fruchtbarkeitsmedizinischen Verfahren untersucht. Die befragten Partnerinnen und Partner waren mehrheitlich der Meinung, dass sowohl die Forschung an überzähligen Embryonen als auch die Embryonen-Spende nur unter strickten Rahmenbedingungen möglich sein sollten. Dabei zeigte sich, dass die Einschätzung der Schutzwürdigkeit des Embryos durch die Eltern deren Haltung bezüglich Verwendung überzähliger Embryonen am stärksten beeinflusste. War das fruchtbarkeitsmedizinische Verfahren (invitro Fertilisation) erfolgreich und hatte das Paar ein Kind, dann war es eher skeptisch bezüglich einer Embryonen-Spende an andere Paare. Religiöse Eltern, eher ältere Befragte und Befragte aus der welschen Schweiz hatten eine eher positive Einstellung zur Verwendung von überzähligen Embryonen für die medizinische Forschung.

«Insgesamt zeigt diese in der Schweiz erstmalige Befragung, dass aktuelle Gesetzgebungen immer wieder im Lichte der sich wandelnden Einstellungen der Bevölkerung beziehungsweise der Betroffenen hinterfragt werden müssen», folgert Prof. Felix Gutzwiller.

Originalbeitrag:
Meichun Mohler-Kuo, Ueli Zellweger, Aysun Duran, Michael K. Hohl, Felix Gutzwiller, and Margot Mutsch: Attitudes of couples towards the destination of surplus embryos: results among couples with cryopreserved embryos in Switzerland in: Human Reproduction, May 4, 2009, doi:10.1093/humrep/dep103