Medienmitteilung vom 10.06.2009
Ursprünglicher Kontrollmechanismus der Pflanzenentwicklung identifiziert
Forschern der Universität Zürich ist es in einer europäischen Zusammenarbeit gelungen, einen neuen Mechanismus der Homöostase des Pflanzenhormons Auxin zu identifizieren. Wie sie in «Nature» berichten, schleust das Transportprotein namens PIN5 Auxin nicht aus der Zelle heraus, sondern transportiert es in ein Zell-Kompartiment. Dabei handelt es sich vermutlich um einen ursprünglichen Mechanismus, der sich bereits in Moosen findet.
Bereits Charles Darwin postulierte die Existenz eines «gewissen
Einflusses», der das Wachstum und die Entwicklung höherer Pflanzen
weitgehend bestimmt. Heute wissen wir, dass es sich dabei um das
Pflanzenhormon Auxin handelt. Dieses für das Pflanzenwachstum so
wichtige Hormon wird gerichtet von Zelle zu Zelle bis zum
Bestimmungsort transportiert. Der Auxin-Gehalt in den Zielzellen
bestimmt dann, ob beispielsweise eine Wurzel oder ein Blatt wächst.
Gesteuert wird dieser polare Auxin-Transport durch so genannte
PIN-Proteine, die die Richtung und den Fluss des Auxins bestimmen.
Die Arbeitsgruppe von Dr. Markus Geisler vom Institut für
Pflanzenbiologie der Universität Zürich hat nun herausgefunden,
dass eine verkürzte Variante namens PIN5 natürliche und
synthetische Auxine transportieren kann. Das Team um Dr. Jiri Friml
von der Universität Gent, das federführend diese Nature-Publikation
verantwortet, fand heraus, dass wie erwartet die Manipulation der
PIN5-Expression zu schweren entwicklungsbiologischen Defekten
führt. Überraschenderweise fanden die Forschenden PIN5 aber nicht
auf der Plasmamembran, sondern innerhalb der Zelle, im so genannten
Endoplasmatischen Retikulum (ER). Das importierte Auxin wird dort
anscheinend an Aminosäuren gebunden und damit inaktiviert. Somit
steht es nicht mehr für den Export zur Verfügung, was mit den in
Zürich gefundenen Transportdaten übereinstimmt.
Import von Auxin in das ER ist ein ursprünglicher
Mechanismus
Wie Markus Geisler erklärt, sind PIN-Proteine relative neue
Auxin-Transporter, die nur in Landpflanzen vorkommen. Die
Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass PINs, die eng mit
PIN5 verwandt sind, alle auf dem Endoplasmatischen Retikulum
sitzen, während eine andere Gruppe von PIN-Homologen auf der
Plasmamembran exprimiert werden. Interessanterweise sitzen PINs des
Lebermooses Physcomitrella, eine der einfachsten Landpflanzen, auch
auf dem Endoplasmatischen Retikulum. Dies deutet gemäss Markus
Geisler daraufhin, dass der Auxintransport ins Endoplasmatischen
Retikulum ein eher ursprünglicher Mechanismus ist.
«Darwin hätte sich gefreut, dass es gelungen ist, einen
bisher unbekannten Kontrollmechanismus der Pflanzenentwicklung zu
klären,» glaubt Dr. Markus Geisler. «Auch wenn er die Komplexität
des Auxin-Transportes nur erahnen konnte, so war er dennoch bereits
vor 130 Jahren von dessen Wirkungsweise fasziniert.»
Originalbeitrag:
Jozef Mravec, Petr Skpa, Aurélien Bailly, Klára Hoyerová,
Pavel Keek, Agnieszka Bielach, Jan Petráek, Jing Zhang, Vassilena
Gaykova, York-Dieter Stierhof, Petre I. Dobrev, Kateina
Schwarzerová, Jakub Rolík, Daniela Seifertová, Christian Luschnig,
Eva Benková, Eva Zaímalová, Markus Geisler & Jií Friml:
Subcellular homeostasis of phytohormone auxin is mediated by the
ER-localized PIN5 transporter. In: Nature, 7. Juni 2009,
doi:10.1038/nature08066
