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Melfi, Grab 48, Anhänger aus Bernstein mit Darstellung eines geflügelten Kriegers,  5. Jahrhundert v. Chr.

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Melfi, Grab 48, Anhänger aus Bernstein mit Darstellung eines geflügelten Kriegers, 5. Jahrhundert v. Chr. (Bild: UZH)

Latronico, Grab 90, Anhänger aus Bernstein in Form eines weiblichen Kopfes im Profil, zweite Hälfte 5. Jahrhundert v. Chr.

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Latronico, Grab 90, Anhänger aus Bernstein in Form eines weiblichen Kopfes im Profil, zweite Hälfte 5. Jahrhundert v. Chr. (Bild: UZH)

Melfi, Grab 43, Bernstein, nucleus, geflügelte Sphinx im Profil, Mitte 5. Jahrhundert v. Chr.

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Melfi, Grab 43, Bernstein, nucleus, geflügelte Sphinx im Profil, Mitte 5. Jahrhundert v. Chr. (Bild: UZH)

Atella, Grab 1, Anhänger aus Bernstein in Form einer Sphinx, Mitte 4. Jahrhundert  v. Chr.

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Atella, Grab 1, Anhänger aus Bernstein in Form einer Sphinx, Mitte 4. Jahrhundert v. Chr. (Bild: UZH)

Alianello, Grab 315, Diadem mit kleinen Perlen aus Elfenbein, Glaspaste, Bernstein und Skarabäus-Anhängern, 7. Jahrhundert  v. Chr.

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Alianello, Grab 315, Diadem mit kleinen Perlen aus Elfenbein, Glaspaste, Bernstein und Skarabäus-Anhängern, 7. Jahrhundert v. Chr. (Bild: UZH)

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Reusser, Direktor Archäologisches Institut, Universität Zürich

Telefon: 044 634 2810

Mail

 

PD Dr. Elena Mango, Kuratorin, Archäologische Sammlung, Universität Zürich

Telefon: 044 634 2820

Mail

Medienmitteilung vom 02.09.2010

 

«Zauber in Bernstein» – Neue Ausstellung der Archäologischen Sammlung der UZH

Warm, leicht und leuchtend – die Materialeigenschaften von Bernstein sind ungewöhnlich für einen Schmuckstein. Seit der Antike ist er daher umwoben von Legenden, auch wird ihm magische und heilende Wirkung zugeschrieben. Entsprechend beliebt waren Kunstwerke aus Bernstein auch als Grabbeigaben. Besonders Aufsehen erregende, archäologische Funde der süditalienischen Region Basilikata sind jetzt zu sehen in der Archäologischen Sammlung der UZH: In der Sonderausstellung «Zauber in Bernstein – Schmuck und Amulette aus der Basilikata».

Prächtige, mehrreihige Halsketten, Ohrringe, Gürtel und Amulette aus Bernstein zeigt die Archäologische Sammlung der Universität Zürich in dieser exquisiten Ausstellung. Alle Objekte waren Teil von reichen Bestattungen weiblicher Personen aus der Basilikata – eine wenig bekannte aber an Bernsteinfunden umso reichere Region Süditaliens. Es sind Kunstwerke im Kleinformat von ausserordentlich raffinierter Machart, die in der Antike angefertigt wurden. In der Ausstellung zu sehen sind beliebte Motive wie weibliche Köpfe, Sphingen oder ganze Figuren. In der Motivwahl zeigt sich die magisch-beschützende Bedeutung, welche Bernstein für die Bewohner des vorrömischen Italiens hatte: Eines der beliebtesten Motive, das in vielfältigen Varianten in Erscheinung tritt, war die geflügelte Frauenfigur, eine Mittlerfigur zwischen Menschen und Göttern, welche in der Vorstellungswelt der italischen Völker die Entführung der Sterblichen ins Jenseits symbolisiert. Dabei begleitet das vom Bernstein eingefangene Licht den Verstorbenen auf seiner Reise – was zeigt, dass die magisch-beschützende Bedeutung auch aus den Materialeigenschaften von Bernstein resultiert: Seine Lichtdurchlässigkeit ist einzigartig, zudem wird durch Reiben eine elektrostatische Ladung erzeugt, und sogar das Wort «Elektrizität» geht auf die altgriechische Bezeichnung für Bernstein («elektron») zurück.

Über die Entstehung und zu den Fundorten: exklusiv in Zürich

Anders als bei anderen Schmucksteinen fühlt sich die Oberfläche von Bernstein warm an, sein Gewicht ist gering, und wenn man ihn verbrennt, entwickelt er einen harzigen Geruch. Entstanden ist Bernstein in einem Jahrmillionen dauernden Versteinerungsprozess, der aus dem Harz von Laub- und Nadelbäumen diesen faszinierenden Schmuckstein entstehen lässt.

Folgt man der mythologischen Überlieferung, so stammt Bernstein von den Heliaden: Nachdem ihr Bruder vom Blitz des Zeus getroffenen wurde, verwandelten sie sich vor Trauer in Bäume, und die Tränen, die sie um ihn weinten, wurden zu Bernstein. Es ist dies einer von mehreren Mythen zur Herkunft von Bernstein, nachzulesen ist er bei Ovid.

Die Zürcher Ausstellung widmet der Entstehung von Bernstein ein eigenes Kapitel. Die Vertiefung des Themas wurde möglich dank der Zusammenarbeit mit dem Paläontologischen Museum der Universität Zürich, welche zudem die Erweiterung durch Leihgaben möglich machte. Ein anderer Schwerpunkt, der ausschliesslich für die Zürcher Ausstellung erarbeitet wurde, widmet sich den Fundorten inklusive dem Umfeld der Gräber.

Antike Arznei und heutige Homöopathie

All die besonderen Eigenschaften des Bernsteins tragen dazu bei, dass das Material seit vorge­schichtlicher Zeit die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht. Umweht von Legenden und Mythen war es seit je vielen Künstlern reichhaltige Inspirationsquelle. Auch wurden ihm – und werden noch – magische, Übel abwehrende und heilende Kräfte zugeschrieben. In der Antike wurde Bernstein zu Pulver gerieben und als Zusatz zu Wein oder Likör verabreicht, um die natürliche Körper- und Geisteskraft zu stärken, um gebärende Frauen zu unterstützen oder um Epilepsie oder Höhenangst sowie Herz- und Magenleiden zu behandeln. Noch heute wird Bernstein in der homöopathischen Medizin und in der Kosmetikindustrie verwendet.

Von der Nordsee nach Süditalien

Die gezeigten Exponate stammen hauptsächlich aus der Zeit zwischen dem siebten und dem fünften Jahrhundert vor Christus. In diese Zeit fällt der Höhepunkt der luxuriösen Bestattungen in der Basilikata, und in dieser Zeit waren die Oinotrier – ein Volk, das den Südwesten dieser Region bewohnte – Teil des komplexen Handelsnetzes rund um Bernstein. Denn der in der Antike gehandelte und bearbeitete Bernstein stammt aus Nordeuropa, insbesondere von den Küsten der Nord- und Ostsee. Hier wurde er an den Stränden gesammelt (Strandlese), nachdem er von Winterstürmen angespült worden war. Der Handelsweg führte durch Mitteleuropa und über die Alpen ins obere Adriagebiet, von wo aus er in den gesamten Mittelmeerraum weitergehandelt wurde.

Basilikata-Bernstein in Thessaloniki, Zürich und Köln

Die Ausstellung «Zauber in Bernstein» ist in einigen der international bedeutenden archäologi­schen Museen zu sehen. Nach Zürich wird sie im grossen Römisch-Germanischen Museum in Köln zu sehen sein, davor war sie in Tunesien und Rumänien, zuletzt im bedeutenden Archäologischen Museum in Thessaloniki zu Gast.
Zusammengestellt wurde die Ausstellung «Zauber in Bernstein» von der Soprintendenza per i Beni Archeologici der Region Basilikata, gefördert wird sie vom italienischen Aussenministerium und vom Ministero per i Beni e le Attività Culturali. Die Präsentation in der Archäologischen Samm­lung der Universität Zürich kam zustande in Zusammenarbeit mit dem italienischen Kulturinstitut, welches sich auch finanziell am Projekt beteilig hat. Die Ausstellung ist sichtbarer Ausdruck der jahrelangen, engen Kooperation des Archäologischen Instituts der Universität Zürich mit den für das archäologische Erbe Italiens und dessen Kultur zuständigen Institutionen im In- und Ausland.

Ausstellung «Zauber in Bernstein – Schmuck und Amulette aus der Basilikata»

3. September 2010 bis 9. Januar 2011
Archäologische Sammlung der Universität Zuerich
Rämistrasse 73
8006 Zürich

Dienstag bis Freitag: 13:00 - 18:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr

Eintritt frei

Öffentliche Führungen

jeweils Mittwoch, 18.15 Uhr
15. und 29. Sept., 13. und 27. Okt., 10. und 24. Nov., 8. Dez. 2010, 5. Jan. 2011; weitere Führungen auf Anfrage: mangoe@archinst.uzh.ch, Telefon: 044 634 28 11

Vorträge

Begleitend zur Ausstellung werden folgende Vorträge angeboten:

Di, 12. Okt. 2010, 18.15 Uhr
Prof. Dr. Massimo Osanna, Università degli Studi della Basilicata, Matera: «Kulturkontakte in Süditalien zwischen Griechen und Einheimischen. Die neuen Funde in Torre di Satriano (Potenza)»

Di , 26. Okt. 2010, 18.15 Uhr
Dr. Antonio De Siena, Soprintendente per i Beni Archeologici della Basilicata, Potenza: «Archeologia in Basilicata» (in italienischer Sprache)

Die Vorträge finden im Archäologischen Institut, E8, Rämistr. 73, 8006 Zürich statt. Für weitere Informationen siehe www.archinst.uzh.ch