Loyale Mitarbeitende dank flexibler Arbeitsbedingungen
Schweizer Beschäftigte schätzen selbst gewählte flexible Arbeitsbedingungen. Verlangen Arbeitgeber in der Wirtschaftskrise jedoch Arbeitsflexibilität in Form von Kurzarbeit, so drückt dies auf die Zufriedenheit der Beschäftigten. Wie die Ausgabe zum 5. Jubiläum des «Schweizer HR-Barometer 2010» der Universität Zürich und der ETH Zürich zudem zeigt, ist eine familienorientierte Personalpolitik gerade in der Wirtschaftskrise wichtig.
Prof. Bruno Staffelbach von der Universität Zürich und Prof. Gudela Grote von der ETH Zürich haben im neuen HR-Barometer 2010 zusammen mit ihrem Forschungsteam untersucht, welche Flexibilität Schweizer Arbeitnehmende in ihren Arbeitsbedingungen erfahren und wie sie diese bewerten. 65 Prozent der arbeitstätigen Schweizer Bevölkerung profitieren von Gleitzeiten und Teilzeitarbeit. Die Beschäftigten beurteilen Arbeitszeitmodelle umso positiver, je mehr Flexibilität diese zulassen – ausser es handelt sich um Kurz- oder Schichtarbeit. Die Studie zeigt, dass Arbeitnehmer, die mit dem Ausmass an zeitlicher Flexibilität zufrieden sind, geringere Kündigungsabsichten haben und ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler sind.
Die freie Wahl des Arbeitsorts ist naturgemäss stärker eingeschränkt. Immerhin geben über 20 Prozent der Befragten an, dass ihr Arbeitgeber Tele arbeit erlaubt. Die Nachfrage ist allerdings weit grösser: Zwei Drittel der Befragten würde gerne mehr von zu Hause aus arbeiten. Solche Möglichkeiten zu eröffnen, lohnt sich für die Arbeitgeber, denn mit mehr Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsortes steigt die Zufriedenheit der Beschäftigten.
Arbeitgeberseitig geforderte Flexibilität
17 Prozent der Beschäftigten leisten Schicht- oder Kurzarbeit oder haben befristete Arbeitsverträge. Personen, die unfreiwillig in einem solchen Anstellungsverhältnis stehen, berichten von Arbeitsplatzunsicherheit, gebrochenen psychologischen Verträgen und Kündigungsabsichten. «Es ist deshalb zu empfehlen, dass Unternehmen in der jetzigen schwierigen Wirtschaftssituation solche Massnahmen sehr sorgfältig planen», so die Autoren des HR-Barometers.
Besonders wichtig für Unternehmen und Beschäftigte ist, dass die Arbeitnehmenden vielseitig einsetzbar sind und eine so genannte funktionale Flexibilität an den Tag legen. Wie die Autoren betonen, kann die funktionale Flexibilität auch bei Finanzknappheit gefördert werden: Denn lernförderliche Arbeitsbedingungen, zum Beispiel durch gut unterstützte interne Stellenwechsel, verursachen keine hohen Kosten. Dies wird bis anhin jedoch noch wenig genutzt.
Vorwiegend traditionelle Arbeitsaufteilung
Der diesjährige HR-Barometer befasst sich auch mit dem Thema familienorientierte Per sonalpolitik. Bei den Beschäftigten zeigen sich vorwiegend traditionelle Muster: Während die Mütter Teilzeit arbeiten und den Grossteil der Kinderbetreuung übernehmen, ist die Mehrheit der Väter vollzeitbeschäftigt und wenig in die Kinderbetreuung involviert. Ein kleinerer, wenn auch nicht zu vernachlässigender Anteil (12 Prozent) an Arbeitnehmenden betreut andere Familienangehörige wie z.B. die betagten Eltern. Die Unternehmen in der Schweiz scheinen grundsätzlich erkannt zu haben, dass sie ihre Beschäftigten bei Betreuungsaufgaben unterstützen können und sollten. 90 Prozent der Unternehmen stellen mindestens ein familienunterstützendes Angebot zur Verfügung. Grosse Firmen im Dienstleistungsbereich investieren am meisten in familienfreundliche Massnahmen.
Durch die aktuelle Krise sind aber auch Grossunternehmen gezwungen, zu rationalisieren. Ein Abbau bei der familienorientierten Personalpolitik kann jedoch weit reichende Folgen haben. Eine Kürzung der familienfreundlichen Angebote wirkt sich klar negativ auf die Laufbahnzufriedenheit, die Arbeitsplatzsicherheit und das Commitment der Beschäftigten aus. Bei der Gestaltung einer familienorientierten Personalpolitik sollte zukünftig auch ein umfassender Familienbegriff genutzt werden, der jegliche Betreuungsaufgaben, nicht nur Kinderbetreuung einschliesst.
Zur Studie:
Der Schweizer HR-Barometer misst die Betriebstemperatur in Schweizer Unternehmen. Erhoben werden dazu Themen wie Lohnzufriedenheit, Motivation, Arbeitszufriedenheit, psychologischer Vertrag, Arbeitsflexibilisierung, Karriereorientierungen, Arbeitsplatz(un)sicherheit, Arbeitsmarktfähigkeit, Personalentwicklung und Organisation des HRM. Die Studie wird als Jahrbuch von Prof. Dr. Gudela Grote, Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich und von Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Inhaber des Lehrstuhls für Human Resource Management an der Universität Zürich, alljährlich herausgegeben.
Die Basis des HR-Barometers 2010 bilden 1359 Interviews mit Beschäftigten, die von März bis Mai 2009 telefonisch durchgeführt wurden. Davon entfallen 1041 auf die Deutschschweiz und 318 auf die Romandie. Die aktuelle Ausgabe widmet sich den Schwerpunktthemen Arbeitsflexibilität und Familie.
Der HR-Barometer 2010 entstand mit grosszügiger Unterstützung von Hauptsponsor Adecco und folgenden Nebensponsoren: Axpo, Arbeitskreis für Assessment Center Schweiz, Zürcher Gesellschaft für Personalmanagement, Schweizer Gesellschaft für Organisation und Management, Ecoscientia Stiftung, Biäsch Stiftung.
Angaben zum Jahrbuch:
Das Jahrbuch ist ab sofort im Handel erhältlich.
Gudela Grote, Bruno Staffelbach (Hrsg.): Schweizer HR-Barometer 2010: Arbeitsflexibilität und Familie. Zürich 2010. NZZ Libro, Buchverlag Neue Züricher Zeitung. ISBN 978-3-03823-619-8. Format 21x 28 cm; gebunden, Grafiken/Diagramme/Tabellen; 164 Seiten; CHF 80.–
Für Rezensionsexemplare des Schweizer HR-Barometer 2010:
Simon Ruettimann NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung, Tel: +41 (0)44 258 19 92, E-Mail: s.ruettimann@nzz.ch
Kontakte
Prof. Dr. Bruno Staffelbach Universität Zürich
Lehrstuhl für Human Resource Management
Tel: +41 (0)44 634 29 86
Prof. Dr. Gudela Grote
ETH Zürich
Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
Tel: +41 (0)44 632 70 86
