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Benjamin Wilding, lic. oec. publ. Projektleiter Studie

Institut für schweizerisches Bankwesen

Universität Zürich

Telefon: 044 634 40 56

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Prof. Dr. Rudolf Volkart, Professor em. in Finance
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Medienmitteilung vom 08.10.2010

 

Finanzkrise hat Vertrauen von Schweizer Anlegern in Strukturierte Produkte nicht erschüttert

Als Begleiterscheinung der Finanzkrise haben die Strukturierten Produkte einen Imageverlust erlitten. Da überrascht es, dass für Anleger in Strukturierte Produkte diese heute ein besseres Image haben als im Jahr 2008. Das heisst, sie beurteilen sie positiver und als weniger spekulativ als 2008. Auch denken sie eher daran, diese Anlage in ihrem Portfolio auszubauen. Dies ist eines der Resultate der Umfrage des Instituts für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich. Ein anderes ist, dass für Nicht-Besitzer von Strukturierten Produkten das Umgekehrte zutrifft.

Die Finanzkrise hat den Strukturierten Produkten zu einer grösseren Bekanntheit verholfen, wenn auch zu einer eher zweifelhaften. Um sechs Prozent ist gemäss Umfrage jener Anteil der Schweizer Bevölkerung gestiegen, der Strukturierte Produkte kennt (66 Prozent sind es 2010, 60 Prozent waren es 2008). «Diese Zunahme dürfte vor allem auf die ausführliche Berichterstattung in den Medien während der Finanzkrise zurückzuführen sein», halten die Studienleiter Rudolf Volkart und Benjamin Wilding fest. Untersucht hat das Forscherteam die Einstellung der Schweizer Bevölkerung gegenüber Strukturierten Produkten und das Anlegerverhalten bezüglich dieser Produkte im Schweizer Markt. Da eine erste Umfrage bereits 2008 durchgeführt wurde, ermöglichen die jetzigen Ergebnisse erstmals auch Aussagen zu den jeweiligen Veränderungen.

Positiv eingestellte Besitzer

Die gestiegene Bekanntheit hat nicht zu mehr Besitzern von Strukturierten Produkten geführt, deren Anteil ist mit sieben Prozent konstant geblieben. Auch hat sich das Image der Strukturierten Produkte seit 2008 insgesamt verschlechtert, was sich mit der Einstellung und den Handlungsintentionen der Nicht-Besitzer von Strukturierten Produkten begründet: Direkt nach der Einstellung gegenüber Strukturierten Produkten befragt, ist sowohl bei Noch-nie-Besitzern als auch bei Ex-Besitzern der Anteil Personen mit einer negativen Einstellung angestiegen und jener mit einer positiven Einstellung gesunken: Der Anteil Noch-nie-Besitzer mit negativer Einstellung stieg von 20 auf 35 Prozent, jener der Ex-Besitzer von 19 auf 33 Prozent; der Anteil Noch-nie-Besitzer mit positiver Einstellung ist von zwölf auf sechs Prozent, jener der Ex-Besitzer von 27 auf 18 Prozent gesunken.

Anderes gilt für Besitzer von Strukturierten Produkten: Der Anteil mit positiver Einstellung ist hier leicht angestiegen (von 30 auf 32 Prozent), moderat auch jener mit negativer Einstellung (von 14 auf 19 Prozent).

Die positive Einstellung von Besitzern gegenüber der negativen von Nicht-Besitzern wiederholt sich bei der spezifischen Einschätzung der Strukturierten Produkte: Rund ein Drittel der Befragten betrachtet Strukturierte Produkte als «spekulativ». Besitzer schätzen sie dabei als weniger spekulativ ein als Ex-Besitzer und Noch-nie-Besitzer; auf einer Skala von eins bis fünf, wobei fünf «spekulativ» bedeutet, liegt die durchschnittliche Einschätzung der ersteren bei 3.2, jene der zweiteren bei 3.6.

Derselbe Unterschied zwischen Besitzern und Nicht-Besitzern zeigt sich auch bei der Frage, ob die Anleger den Anteil an Strukturierten Produkten in Zukunft ausbauen, belassen oder reduzieren wollen. So ist die Einstellung von aktuellen Besitzern seit 2008 positiver geworden: 27 Prozent der befragten Besitzer wollen ihren Anteil ausbauen (2008: 20 Prozent), und lediglich 16 Prozent wollen ihren Anteil verkleinern (2008: 20 Prozent). Verschlechtert hat sich dagegen die Einstellung von Personen, die nicht in Strukturierte Produkte investiert sind: Nur 20 Prozent der Ex-Besitzer wollen wieder investieren (2008: 30 Prozent), bei den Noch-nie-Besitzern sind es sogar lediglich 15 Prozent (2008:19 Prozent), die in Strukturierte Produkte investieren wollen.

Wie sich das Anlegerverhalten verändert hat

Wer heute in Strukturierte Produkte investiert, berücksichtigt vor allem die Kriterien «Rendite», «Sicherheit» und «Emittent». Als Hauptanlageziel nennt über die Hälfte der Anleger (53 Prozent) «Renditeoptimierung und Ertragssteigerung».

Bemerkenswert dabei ist, dass «Investieren mit Kapitalschutz» nur in 20 Prozent der Fälle als Anlageziel genannt wird und dass gleichzeitig das Interesse von potentiellen Anlegern an Kapitalschutzprodukten seit 2008 stark zugenommen hat (von 28 auf 36 Prozent). Bei den Kapitalschutzprodukten wiederum handelt es sich um jene der drei Hauptkategorien Strukturierter Produkte, bei denen sowohl das Risiko wie auch die Rendite am tiefsten sind. Die Kategorie hingegen, der heute das grösste Interesse entgegengebracht wird (37 Prozent), ist jene der Partizipationsprodukte – die Kategorie mit dem höchsten Risiko und der höchsten Rendite.

Gegenüber 2008 zugenommen hat auch die Bedeutung der Anlageberater: Anlageentscheide werden heute vermehrt gemeinsam mit dem Kundenberater getroffen. Und während 2008 noch jeder zweite Befragte die Anlageentscheide alleine traf, hat sich dieser Wert heute auf rund 40 Prozent verringert.

Die Gewinner der Veränderungen sind die Privat- und Regionalbanken: Kunden mit einem Vermögen von über einer Million Franken führen ihre Transaktionen vermehrt bei ihnen durch (zu 19, respektive 18 Prozent, gegenüber 14 Prozent 2008). Demgegenüber ist der Anteil dieser Kunden, die ihre Transaktionen mit Grossbanken durchführen, von 65 auf 58 Prozent gesunken. Das Umgekehrte ist bei Kunden mit einem Vermögen von weniger als 100’000 CHF zu beobachten: Sie führen ihre Transaktionen vermehrt bei Grossbanken durch.

Literatur:

Rudolf Volkart, Benjamin Wilding, Beat Affolter, Peter Lautenschlager: Strukturierte Produkte in der Schweiz 2010 – Eine repräsentative Studie aus Anlegersicht. Zürich 2010.

Die Studie ist mit massgeblicher finanzieller Unterstützung der Bank Vontobel AG entstanden. Der Studie liegt eine repräsentative Umfrage, welche mittels Telefoninterviews durch das Meinungsforschungsinstitut LINK Institut im Mai und Juni 2010 bei 1994 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahre durchgeführt wurde, zugrunde.

Bezug:
Die gedruckte Studie kann ab Freitag, 15. Oktober 2010 bestellt werden unter www.isb.uzh.ch/sp