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Dr. Barbara Holzer, MPH Geschäftsleiterin
Kompetenzzentrum Multimorbidität der Universität Zürich
Tel. +41 44 255 99 57

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Medienmitteilung vom 24.01.2013

 

Chronische Mehrfacherkrankungen umfassend erforschen

Drei von vier Patientinnen und Patienten über 65 Jahre leiden an chronischen Mehrfacherkrankungen. Die Erforschung dieser sogenannten Multimorbidität steht noch am Anfang. Der auf einzelne Erkrankungen fokussierte Ansatz wird den komplexen Krankheitsbildern nicht gerecht. Um die Behandlung multimorbider Patienten zu verbessern, gründen verschiedene Kliniken und Institute der medizinischen und philosophischen Fakultät der Universität Zürich das Kompetenzzentrum Multimorbidität.

Leiden Patienten gleichzeitig an zwei oder mehreren chronischen Erkrankungen, nennt man das Multimorbidität. Betroffen davon sind etwa 30 Prozent, die von Schweizer Hausärzten behandelt werden. Multimorbidität findet sich in jedem Lebensalter, nimmt aber im höheren Alter zu – nahezu drei von vier über 65-Jährigen leiden daran. So kann eine an weit fortgeschrittenem Parkinson leidende Person schwere Sehprobleme haben, dement und inkontinent sein. Um den vielschichtigen Bedürfnissen multimorbider Patientinnen und Patienten gerecht zu werden, gründet die Universität Zürich das Kompetenzzentrum Multimorbidität.

Erforschung von Multimorbidität noch am Anfang

Mehrfacherkrankungen sind nicht einfach die Summe mehrerer Einzelerkrankungen. Zwischen den einzelnen Erkrankungen und deren medikamentöser Behandlungen ergeben sich vielfach komplexe Konstellationen. Multimorbide Patienten werden in klinischen Studien jedoch meist ausgeschlossen. «Die etablierte klinische Lehre und Forschung sowie das Gesundheitssystem sind auf Einzelerkrankungen fokussiert», erklärt Edouard Battegay, Präsident des Kompetenzzentrums und Professor für Innere Medizin. Spitalgeneralisten und Hausärzte, die am häufigsten multimorbide Patienten betreuen, können denn auch nur selten auf fundierte medizinische Daten zurückgreifen.

Schaffung von Methodenkompetenz

Vorderhand will das Kompetenzzentrum Daten erheben, um die Prävalenz von Multimorbidität und deren Verlauf in der Schweiz zu untersuchen, und um die komplexen Zusammenhänge von Multimorbidität besser zu verstehen. Zudem soll die Kommunikation zwischen Arzt und Patient und die Qualität ärztlicher Entscheidungen erforscht werden. Mit dem Ziel, Ärzte anhand von Guidelines bei ihrer Behandlung von multimorbiden Personen zu unterstützen.

Umfassende Patientenbehandlung

Das Kompetenzzentrum schafft Grundlagen, um multimorbide Patienten besser versorgen zu können. Dazu müssen die Anliegen der Patienten und deren nächsten Angehörigen hinsichtlich Krankheitsbewältigung und Lebensqualität verstärkt in die Forschung einbezogen werden. «Für die Lebensqualität multimorbider Personen spielen nicht nur die Krankheitssymptome eine Rolle. Man muss auch berücksichtigen, wie weit ihre Erkrankungen sie bei der Verfolgung ihrer Ziele einschränken», so Mike Martin, Vizepräsident des Kompetenzzentrums Multimorbidität. Um den Patienten umfassender zu behandeln, will das Kompetenzzentrum neue Therapiemodelle liefern.

Vernetzte Forschung

Verschiedene Kliniken und Institute der Medizinischen und Philosophischen Fakultät der Universität Zürich sind am Kompetenzzentrum beteiligt. Auch die Vernetzung mit themenverwandten Institutionen im In- und Ausland ist beabsichtigt. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Einbezug von Experten aus dem Gesundheitssystem entstehen neue Sichtweisen auf den wissenschaftlichen und therapeutischen Umgang mit multimorbiden Patienten. «Unser Netzwerk steht interessierten Forschungsgruppen offen», schliesst Edouard Battegay.

Öffentliches Eröffnungssymposium des Kompetenzzentrums Multimorbidität

24. Januar 2013, 18 bis 20 Uhr, Apéro ab 20.05 Uhr im Lichthof der Universität Zürich, Universität Zürich, Rämistrasse 71, 8006 Zürich, Raum G-201 (Aula)

Teilnehmende:

  • Edouard Battegay, Präsident des Kompetenzzentrums Multimorbidität
  • Mike Martin, Vizepräsident des Kompetenzzentrums Multimorbidität
  • Heinz Gutscher, Präsident der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Jakob Tanner, Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Universität Zürich
  • Reinhard Saller, Professor für Naturheilkunde, Universität Zürich
  • Klaus W. Grätz, Dekan der Medizinischen Fakultät, Universität Zürich
  • Gerd Folkers, Direktor Collegium Helveticum
  • Adolf Muschg 

Detailliertes Programm: www.multimorbidity.uzh.ch