UZH News
Mediadesk
Agenda
Share via mailShare on XingShare on LinkedIn

Kontakt

Prof. Dr. Carel van Schaik

Anthropologisches Institut und Museum

Universität Zürich

Tel. +41 44 635 54 10

E-Mail

Download

Arno

(jpg, 1684 KB)
Männlicher Orang Utan (Bild: UZH)

Bild_1

(jpg, 174 KB)
Das Orang-Utan Weibchen B hört den long call lauter und bleibt, wo es ist, während Weibchen A den Ruf schwächer hört und sich etwas annähert. (Bild: UZH)

Bild_2

(jpg, 319 KB)
Beispiele für Tagesstrecken der beobachteten Orang-Utans. Die grünen Pfeile bezeichnen spontane long calls, die roten markieren die durch andere Männchen erzeugten Rufe (Bild: UZH)

Medienmitteilung vom 11.09.2013

 

Orang-Utans planen ihre zukünftige Route und teilen sie mit

Männliche Orang-Utans planen ihre Route bis zu einem Tag im Voraus und teilen sie gezielt anderen Artgenossen mit. Um Weibchen anzulocken und männliche Rivalen abzuschrecken rufen sie in die Richtung, in die sie gehen werden. Anthropologen der Universität Zürich weisen nach, dass Orang-Utans ihre Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu planen, auch in der Wildnis einsetzen. 

Lange wurde die Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu antizipieren, nur dem Menschen zugeschrieben. Es hiess, Tiere lebten im Moment. In den letzten Jahren haben aber ausgeklügelte Experimente an Menschenaffen in Zoos gezeigt, dass sich diese sehr wohl an vergangene Ereignisse erinnern und für zukünftige Bedürfnisse vorausplanen können. Anthropologen der Universität Zürich prüften nun, ob auch freilebende Menschenaffen über diese Fähigkeit verfügen und folgten ihnen für mehrere Jahre im dichten tropischen Sumpfwald von Sumatra.

Orang-Utans teilen ihre Pläne mit

Orang-Utans durchstreifen den Wald meistens alleine, pflegen aber auch soziale Beziehungen. Erwachsene Männchen stossen manchmal laute Rufe aus, sogenannte long calls, um Weibchen anzulocken und Rivalen auf Distanz zu halten. Ihre Backenwülste wirken dabei als Trichter zur Schallverstärkung, wie bei einem Megafon. Die Weibchen kommen näher, wenn sie den Ruf nur schwach hören, um den Kontakt nicht zu verlieren. Die rangniedereren Männchen dagegen eilen davon, wenn sie den Ruf laut und klar in ihre Richtung vernehmen.

«Am effizientesten wäre es also, wenn das Männchen genau in die Richtung ruft, in die es später gehen will», erklärt Carel van Schaik. «Wir haben dann effektiv beobachtet, dass die Männchen für mehrere Stunden in ungefähr dieselbe Richtung gingen, in die sie gerufen hatten.» Sogar der letzte Ruf vor dem Schlafnest zeigte oft die Wegrichtung für den nächsten Morgen an, die bis am folgenden Abend beibehalten wurde. Carel van Schaik und sein Team folgern daraus, dass Orang-Utans ihre Route bis zu einem Tag im Voraus planen. Eine Richtungsänderung kündigten die Orang-Utans zudem häufig mit einem neuen, besser passenden Ruf an. Die Forscher beobachteten zudem, dass die anderen Orang-Utans am nächsten Morgen korrekt auf den Ruf des letzten Abends reagierten, auch wenn kein neuer Ruf ertönt war. «Unserer Studie macht deutlich, dass wilde Orang-Utans nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern sich die Zukunft vorstellen können und ihre Pläne sogar kommunizieren. In diesem Sinn sind sie uns damit wieder ein Stück ähnlicher geworden», schliesst Carel van Schaik.

Literatur:

Carel P. van Schaik, Laura Damerius, Karin Isler. Wild Orangutan Males Plan and Communicate Their Travel Direction One Day in Advance. PLOS ONE. September 11, 2013. Doi:10.1371/journal.pone.0074896

Über die Autoren

Alle drei Autoren der Studie forschen am Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich. Carel van Schaik ist Direktor und hat jahrelang Orang-Utans im Freiland beobachtet. Er leitet zwei Feldstationen, eine in Borneo und eine in Sumatra. Laura Damerius hat in ihrer Masterarbeit ein Pilotprojekt zur vorliegenden Studie durchgeführt und arbeitet nun an ihrer Dissertation über das Verhalten freilebender Orang-Utans. Karin Isler erforscht die Evolution der kognitiven Fähigkeiten bei Primaten, Säugetieren und Vögeln.